Niedersachsen will mehr Migranten im öffentlichen Dienst

Nach der Ausbildung von "Integrationslotsen" soll nun der Migrantenanteil in der regulären Verwaltung aufgestockt werden

Die niedersächsische Sozial- und Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU) will verstärkt Migranten in der Verwaltung einsetzen. Sie sagte diese Woche in Hannover: „In puncto Integration junger Menschen in den Arbeitsmarkt wollen wir als Vorbild voran gehen und haben uns auf die Fahnen geschrieben, dass wir mehr Zuwanderer im öffentlichen Dienst wollen.“ Eine freiwillige Befragung im öffentlichen Dienst soll zuerst darüber Auskunft geben, wie viele Migranten bereits in diesem Bereich arbeiten, um dann im nächsten Schritt das Ziel einer konkreten Migranten-Beschäftigungszahl anzustreben. Bislang habe nur eine anonyme Befragung im Justizbereich konkretere Hinweise auf Zahlen ermöglicht: Insgesamt seien dort 2,8 Prozent der Beschäftigten mit Migrationshintergrund ermittelt worden. Eine Beratung für Jugendliche über dortige mögliche Betätigungsmöglichkeiten soll parallel Interesse wecken.

Als Prestigeprojekt lobte Özkan die seit 2007 erfolgreich stattfindende Ausbildung von inzwischen 1.200 sogenannten Integrationslotsen in Niedersachsen, die heute zum Teil im Gesundheitsbereich, aber auch in Sport, Schule oder Erziehung ehrenamtlich tätig sind. Im Jahr 2011 sollen diese beispielsweise durch eine stärkere Bindung an Migranten-Organisationen noch gezielter in der Praxis eingesetzt werden. Der Migranten-Anteil der Integrationslotsen liege bei cirka 50 Prozent, wobei der Anteil türkischer Ehrenamtlicher – etwa im Unterschied zu den bereits stärker vernetzten iranischen Migranten – noch eher gering sei. Hier bedürfe es eines noch zunehmenden Einsatzes von Multiplikatoren, um in geschlossene Kommunikationsstrukturen besonders außerhalb der großen Zentren Niedersachsens wie Hannover oder Osnabrück, die nicht so einfach „mit einem Flyer“ zu erreichen seien, vorzudringen: „Hingehen, beraten, Vertrauen wecken“, wie die Ministerin betont.

Ihr türkischstämmiger Hintergrund mache es ihr in Begegnungen mit Migranten-Organisationen oft leichter, Türen für Projekte und Ansprechpartnern zu öffnen, in denen sich Migranten-Gruppen gewinnbringend einbringen können, erklärt Özkan: „Zum Beispiel Frauenmigranten-Organisationen mit den Landfrauen zusammenzubringen, ist sicherlich nicht ganz einfach. Doch wenn man dann als Frau mit türkischem Hintergrund kommt und sagt, hier arbeiten eigentlich zwei Vereine in die gleiche Richtung und wollen die gleiche Zielgruppe ansprechen, dann hat man einen ganz anderen Ansatz, die beiden zusammenzubringen.“ Umgekehrt erlebe sie bei Besuchen beispielsweise bei Trägern deutscher Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser einen „Aha-Effekt“, wenn sie für die Möglichkeiten und Chancen einer stärkeren Einbeziehung von jungen Menschen mit Migrationshintergrund werbe. Der Pflegebereich gilt als sicherer Arbeitsmarkt der ­Zukunft.

Felix Kubach

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