Was will die Gülen-Bewegung?

Der Integrationsforscher Klaus Bade über die Gülen-Bewegung und ihre Ziele.

Bade im Interview: „Es wird oft gesagt, daß der Islam im Gegensatz zum Christentum die Säkularisierung noch vor sich habe. Die einen fragen dann, ob er sie aushalten kann, ohne sich in inneren Konflikten zu verzehren. Andere meinen, daß er dazu ganz unfähig sei. Beides ist falsch, denn es geht nicht um eine Art nachholende Säkularisierung. Es geht um das Ankommen in säkularen Gesellschaften, auch unter dem Druck, von der persönlichen Glaubenswelt mit ihren religiös-spirituellen Lebens- und Jenseitsbezügen abgesehen, auch wissenschaftlich-rationale Zugänge zu Religion und Religionsgeschichte zu akzeptieren und damit eine Brücke zu bauen zwischen Spiritualität und Moderne.

Für ‚Nathan‘ (Nathan der Weise, aus Gotthold Ephraim Lessings gleichnamigen Stück, Anm. d. Red.) steht, wenn man so will, in der modernen Türkei, aber auch von Nordamerika über Südamerika bis nach Afrika und Asien ausgreifend die einerseits hochmoderne, andererseits in ihren Glaubensbezügen durchaus metaphysische sog. ‚Gülen-Bewegung‘. Sie beruft sich – in ihrer Namensgebung durchaus gegen seinen Willen – auf den türkischen Intellektuellen, Schriftsteller und Prediger Fetullah Gülen, der heute in den USA lebt. Es ist  eine gewaltige, Millionen Anhänger zählende Bildungsbewegung mit eigenen Universitäten, vielen Dutzenden von Schulen und zahllosen Nachhilfezentren, deren Einrichtungen in Istanbul ich mir unlängst einmal angesehen habe. Diese Bildungseinrichtungen berufen sich zwar immer wieder auf Gülen, arbeiten aber, nur zum Teil über eine zentrale Stiftung  finanziert, weitgehend autonom und folgen dem berühmten Gülen-Motto: ‚Baut nicht mehr Moscheen. Davon haben wir genug. Baut Schulen!‘ Gülen war auch der erste, der den Terror-Anschlag vom 9/11 in einer in der islamischen Welt Aufsehen erregenden Erklärung ächtete. Und einer seiner wichtigsten Vertreter in Deutschland, der Berliner Soziologe und Stadtplaner Ercan Karakoyun, erklärt:  ‚Die Demokratie ist nicht ein System, daß gestürzt werden muß, sondern die sich vielfach bewährende Regierungsform. Terror und Gewalt sind keine Grundzüge des Islam, sondern diesen entgegengesetzt. Bin Laden ist keine Held, sondern ein Verbrecher.‘ (Ende des Zitats)

Anmerkung der Redaktion: Ercan Karakoyun ist einer der Herausgeber der Deutsch Türkischen Nachrichten.

Zu diesem Thema siehe auch: Muslime zwischen Tradition und Moderne: Die Gülen-Bewegung als Brücke zwischen den Kulturen

Das Forum für Interkulturellen Dialog Berlin e.V (FID) fühlt sich den Werten der Gülen Bewegung verpflichtet. FID ist Partner bei der Herausgabe der Deutsch Türkischen Nachrichten.

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