Das ist eine „Einladung zum Verfassungsbruch“

Der Migrationsforscher Klaus J. Bade hat die jüngst begangenen Anschläge auf Berliner Moscheen verurteilt. Für den Vorsitzenden des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) kommen sie einer Einladung zum Verfassungsbruch gleich. Er befürchtet, die bisher gezeigte Gleichgültigkeit der Bürger könne Anschlusstäter motivieren.

Der Migrationsforscher Klaus J. Bade hat die jüngst begangenen Anschläge auf Berliner Moscheen verurteilt. Für den Vorsitzenden des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) kommen sie einer Einladung zum Verfassungsbruch gleich. Er befürchtet, die bisher gezeigte Gleichgültigkeit der Bürger könne Anschlusstäter motivieren.

„Die Anschläge auf Moscheen in Berlin – sieben wurden seit Mitte des vergangenen Jahrs gezählt – sind verbrecherische Angriffe auf die Verfassung dieses Landes, die eine freie Religionsausübung garantiert“, so Bade in einer Erklärung. Ebenso schlimm sei jedoch die Tatsache, dass diese im Alltag vielfach achselzuckend mit dem Bemerken hingenommen würden, es sei doch bislang wenig passiert und niemand persönlich zu Schaden gekommen. Das könne sich seiner Meinung nach rasch ändern und Anschlusstäter motivieren.

Der Experte fühlt sich derzeit an Anschläge auf Asylbewerberheime zu Beginn der 1990er Jahre erinnert. Auch diese hätten angeblich „harmlos“ begonnen und dadurch zunächst kaum Beachtung gefunden. Die Folge: „ein Inferno von Anschlußhandlungen“ wurde ausgelöst. Darüber hinaus ergeben sich für ihn aber auch Parallelen zu der im vergangenen Herbst geführten Debatte um Thilo Sarrazin. „Auf die Rede vom ’Muslim-Gen‘ folgte sogar eine quasiwissenschaftliche Genetik-Diskussion. Die mediale – und parteipolitische – Hölle aber brach sofort los, als Sarrazin in einer Diskussion beiläufig in gleichem Sinne vom ‚Juden-Gen‘ sprach, was er unter dem Druck der bundesweiten Empörungsdiskussion alsbald mit Bedauern zurücknahm. Brandanschläge kann man aber nicht zurücknehmen“, so Bade weiter.

„Man stelle sich vor, es hätte in Berlin in dem halben Jahr der sieben Brandanschläge auf Moscheen nur einen einzigen Brandanschlag auf eine Synagoge gegeben. Sofort liefe im Land des Holocaust die volltönende Empörungsmachine rund. Und das zurecht.“

Das Land des Holocaust, so der Migrationsforscher, täte jedoch gut daran, sich mit der gleichen Empörungskultur gegen jede andere Verletzung der Grund- und Gruppenrechte von Minderheiten mit und millionenfach auch ohne Migrationshintergrund zu wehren. Es müsse klar gemacht werden, dass sich die Geschichte der Brutalität gegen Minderheiten auch nicht ansatzweise wiederholen dürfe. „Ein nachdrückliches Wort von politisch höchster Stelle wäre hier sicher hilfreich.“

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.