Wie die USA die Türkei als Modell für Pakistan entdeckten

Ende Mai 2009 trafen sich türkische und amerikanische Diplomaten in der US-Botschaft in Islamabad. Es ging um die Frage, wie man das angespannte Verhältnis der Nachbarn Pakistan und Afghanistan verbessern könnte. Die Amerikaner kamen nach diesem ersten hochrangigen Treffen zu einem bemerkenswerten Schluss: Sie wollen noch enger mit den Türken zusammenarbeiten, die eine „zunehmend wichtige und konstruktive Rolle“ in Pakistan zu spielen beginnen.

Aus Wikileaks Depesche 09ISLAMABAD1118

Ende Mai 2009 trafen sich türkische und amerikanische Diplomaten in der US-Botschaft in Islamabad. Es ging um die Frage, wie man das angespannte Verhältnis der Nachbarn Pakistan und Afghanistan verbessern könnte. Die Amerikaner kamen nach diesem ersten hochrangigen Treffen zu einem bemerkenswerten Schluss: Sie wollen noch enger mit den Türken zusammenarbeiten, die eine „zunehmend wichtige und konstruktive Rolle“ in Pakistan zu spielen beginnen.

Die Amerikaner stellten fest, dass „die Türkei sehr gut positioniert ist, um als moderater fortschrittlicher muslimischer Staat mit einer relativ stabilen, demokratischen Regierung ein viel positiveres Modell für Pakistan zu spielen“ als andere islamische Staaten. Vor allem, so hofften die Amerikaner damals, könnten die Türken den negativen Einfluss neutralisieren, den Saudi-Arabien auf Bevölkerung und Politik in Pakistan ausübe. Deshalb setzten die Amerikaner darauf, den Dialog mit den Türken fortzusetzen und nach weiteren Initiativen Ausschau zu halten, im gemeinsamen Interesse noch intensiver zusammenzuarbeiten.

In dem Treffen hatte der türkische Botschafter Engin Soysal geschildert, wie sein Land versuchte, bei gemeinsamen Treffen mit Afghanistan und Pakistan einen mäßigenden Einfluss auf die Entwicklung in der Region zu nehmen. Soysal würdigte die positive Rolle von Pakistans Außenminister Quereshi und hob seine „geographische Sensibilität“ hervor. Das Ziel der Vermittlung sei es, das Vertrauen und die Transparenz zwischen Nachbarn zu stärken. Dazu könne auch die Nato beitragen, etwa durch den Austausch von Professionals und das Sponsoring von Bildungs-Initiativen. Schon jetzt sei es ermutigend, dass die beiden Länder in verschiedenen Bereichen mit Austauschprogrammen begonnen hätten.

Soysal zeigte sich „stolz“ über die Tatsache, dass es den Türken gelungen war, die Treffen über das Informelle hinaus zu führen. Nun sei es notwendig, dass gemeinsame Beschlüsse auch in Taten umgesetzt werden. Weiters schlug Soysal vor, dass pakistanische Journalisten und Wissenschaftler nach Brüssel eingeladen werden sollten, um demokratische und westliche Strukturen kennenzulernen. Die Botschaften der Nato-Länder könnten solche Studienreisen finanziell unterstützen.

Als großes Problem wurde in den Gesprächen die Flüchtlingsfrage adressiert: Wenn es keine Lösung für die „Internal Displaced Persons“ gäbe, könnte sich die Lage in Pakistan negativ entwickeln. Dies sei auch die Auffassung des Führers der oppositionellen muslimischen Liga von Pakistan, Nawaz Sharif. Soysal berichtete von einem Vier-Augen Treffen mit ihm: Nawaz sei sich des Ernsts der Lage bewusst und habe festgestellt, dass die Taliban „eliminiert“ werden sollten. Aber er betonte, dass die demokratischen Institutionen von Pakistan bald Ergebnisse vorweisen müssten, bevor sich die Bevölkerung wieder nach alternativen Gesellschaftsformen umsehen würde.

Die Amerikaner konnten diese Aussage nicht abschließend deuten. Der Schreiber der Depesche vermerkt: „Soysal gab keine spezifische Auskunft darüber, ob Nawaz in diesem Zusammenhang einen Militärputsch oder die Machtübernahmen durch militante Gruppen gemeint habe.“

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