Sarrazin-Debatte trübt Zuversicht bei Zuwanderern in Deutschland

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) hat eine Befragung zum Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft durchgeführt. Das Ergebnis: "Zuwanderer blicken mit weniger Zuversicht auf das Zusammenleben in Deutschland als noch vor einem Jahr".

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) hat eine Befragung zum Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft durchgeführt. Das Ergebnis: „Zuwanderer blicken mit weniger Zuversicht auf das Zusammenleben in Deutschland als noch vor einem Jahr“.

Für die vergleichende Umfrage der Jahre 2009 und 2010 wurden mehr als 2000 Personen mit und ohne Migrationshintergrund zur Rate gezogen. Wie der Sachverständigenrat nun berichtet, zeige sich in den Antworten auf die Frage, ob Mehrheits- und Zuwandererbevölkerung „ungestört miteinander“ leben könnten, bei Zuwanderern ein deutlicher Unterschied zwischen Herbst 2009 und Jahresende 2010: „Dieser Aussage stimmten 2009 noch 21,7 Prozent der Zuwanderer ‚voll und ganz‘ zu. Im November und Dezember 2010, nach der Sarrazin-Debatte, bestätigten diese positive Einstellung nur noch 9,1 Prozent.“ Umgekehrt habe sich der Anteil der pessimistischen Einschätzungen unter den Zuwanderern nahezu verdoppelt: So bewerteten 2009 nur 3,5 Prozent die Einschätzung eines ungestörten Miteinanders mit „gar nicht“. 2010 stieg ihr Anteil auf sechs Prozent.

Im Mittelfeld, so stellt die SVR heraus, würden jedoch nach wie vor die „verhalten positiven, gelasseneren Einstellungen zum Zusammenleben“ in der Einwanderungsgesellschaft überwiegen. Daneben sei die „pragmatisch-differenzierte Haltung“ der Mehrheitsbevölkerung gewachsen. „Die Sarrazin-Debatte hat in der Einwanderungsgesellschaft Spuren hinterlassen“, so der SVR-Vorsitzende Prof. Dr. Klaus J. Bade. „In den Meinungsspitzen beobachten wir mehr Pessimismus bei den Zuwanderern und mehr Pragmatismus bei den Deutschen. Aber das breite Mittelfeld bleibt auf beiden Seiten eher gelassen. Und das ist am wichtigsten.“

Allerdings räumt er ein: Die Sarrazin-Debatte könnte das Image des Einwanderungslandes Deutschland im Ausland beschädigt haben. Damit würden potenzielle qualifizierte Zuwanderer verprellt werden. Das aber, so der Vorsitzende, wäre ein „Eigentor“, denn Deutschland sei längst ein „Migrationsverlierer“ geworden und müsse daraus Konsequenzen ziehen: „Deutschland muss attraktiver werden für Qualifizierte, die zögern zuzuwandern, und für solche, die erwägen, abzuwandern. Das setzt eine kritische und handlungsbereite Bestandsaufnahme voraus, die ans Eingemachte geht.“

Regional betrachtet sei vor allem in der Bundeshauptstadt eine „deutliche Polarisierung“ zu spüren und so einzigartig in den untersuchten Gebieten Rhein-Ruhr, Rhein-Main und Stuttgart. Die SVR-Befragung in Berlin wurde 2010 zum ersten Mal durchgeführt. Sie erfolgte in Bezirken, in denen ein hoher Anteil von Einwohnern mit Migrationshintergrund lebt: in Kreuzberg-Friedrichshain, Mitte-Wedding-Tiergarten und Neukölln. Bei Berlinern aus Bezirken mit hoher Zuwandererbevölkerung sind die Unterschiede in der Einschätzung, ob Integration gelungen oder gescheitert sei, mithin auf beiden Seiten der Einwanderungsgesellschaft deutlich schärfer ausgeprägt als in vergleichbaren innerstädtischen Gebieten anderer Regionen.

Mehr unter: www.svr-migration.de

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