Koptischer Bischof sieht Christen und Muslime in Ägypten Seite an Seite

Die Massenproteste in Ägypten bewirken nach Einschätzung des koptischen Bischofs in Deutschland auch einen Schulterschluss zwischen Muslimen und Christen. Beide seien in der Vergangenheit von der Regierung gegeneinander ausgespielt worden, sagte Anba Damian im Interview mit domradio.de. Noch vor kurzem war ein koptische Gemeinde Ziel eines Terror-Anschlags gewesen.

Die Regierung in Kairo habe verhindert, dass Muslime in Ägypten über politische Ambitionen sprechen konnten. So habe immer die Religion alleine im Vordergrund gestanden. Die koptischen Christen wären eine Art „Blitzableiter“ für den dadurch entstandenen Frust gewesen. „Man hat einander die Köpfe einschlagen lassen“, so Pater Damian am Freitag (28.01.2011) gegenüber domradio.de. Die Gewalt gegen Kopten – wie jüngst das Attentat von Alexandria – sei ein Produkt dieser Regierungspolitik gewesen.

Nun würden Muslime und Christen gemeinsam für eine neue Regierung kämpfen. „Beide streben nach Menschenrechten und Demokratie.“ Dabei hofft der vor mehr als 20 Jahren aus Ägypten nach Deutschland ausgewanderte Geistliche auf „ein gutes Ende ohne weitere Gewalt“. Grundsätzlich sei das ägyptische ein friedliches Volk, gleichzeitig aber versuche Mubarak einen Wandel zu verhindern. Damian rief die Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft auf, das ägyptische Volk bei seinem Kampf zu unterstützen.

Vor den für Freitag angekündigten neuen Protesten sind in der Nacht zahlreiche Oppositionelle festgenommen worden, darunter auch acht Führer der oppositionellen Muslimbruderschaft. Auch in der Nacht hatte es wieder Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gegeben. Außerdem blockierte die Regierung das Internet und verbot Freitagsgebete in einigen Moscheen.

Angst vor einer möglichen Machtübernahme der islamistischen Muslimbruderschaft in Ägypten hat Bischof Damian nicht. Selbst wenn dies geschehe, „die internationale Völkergemeinschaft würde handeln, wenn die neue Regierung nicht vernünftig handelt“. Schlimmer als jetzt könne es nicht werden.

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