Zehntausende strömten zum Tahrir-Platz

Nach einer vergleichsweise ruhigen Nacht im Zentrum von Kairo sind am Freitag wieder tausende von Demonstranten zum Tahrir-Platz geströmt. Die Regierungsgegner, die den Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak fordern, brachten Vorräte an Lebensmitteln und Wasser mit. Die Menge feiert den "Tag des Abgangs".

Die Demonstranten sind entschlossen, die Ära Mubarak nun zu beenden. Im Laufe des Tages soll eine Million Menschen im ganzen Land mobilisiert werden. Seit Tagesanbruch waren Rufe wie „Lasst uns Mubarak stürzen“ oder „Wir gehen nicht, bevor unsere Forderungen erfüllt sind“ zu hören. Über die Lautsprecher auf dem Platz lief Musik, die Demonstranten sangen die Nationalhymne. Während des Freitagsgebets ist die Lage ruhig geblieben. Die Armee hat in der Zwischenzeit Stellung bezogen.

Das staatliche Fernsehen berichtete, Verteidigungsminister Hussein Tantawi und ranghohe Offiziere seien ebenfalls auf den Platz gekommen. Dies wurde von Beobachtern als Zeichen dafür gewertet, dass die mächtigen Streitkräfte die Demonstration billigen. Anhänger Mubaraks, die in den Vortagen Demonstranten und ausländische Journalisten angegriffen haben, waren am Freitag nicht dort zu sehen.

Die USA verhandeln unterdessen mit ranghohen Vertretern der ägyptischen Regierung über einen sofortigen Rückzug von Präsident Mubarak. Ausserdem gehe es in den Gesprächen um die Bildung einer Übergangsregierung, die freie und faire Wahlen im Laufe dieses Jahres vorbereiten solle, sagten US-Vertreter am Donnerstagabend.

Mubarak lehnt einen Rücktritt bisher ab. Erst am Donnerstag hatte er dem US-Fernsehsender ABC ein Interview gegeben und gesagt, er würde sein Amt jetzt niederlegen, könne dies aber nicht tun aus Furcht, das Land versinke dann noch tiefer im Chaos, wie Starreporterin Christiane Amanpour nach dem Gespräch berichtete. Mubarak habe bei dem Interview im Präsidentenpalast ausserdem erklärt, er sei betroffen wegen der tödlichen Gewalt zwischen den Gruppen, die für oder gegen die Regierung demonstrieren. Die Regierung sei dafür nicht verantwortlich. Mubarak gab der verbotenen Muslimbruderschaft die Schuld an der Eskalation der Gewalt.

Mehr unter: nzz.ch, nytimes.com

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