Ägypten: Erbitterung nach Mubarak-Rede

Nach der für Ägypten enttäuschenden Rede ihres Präsidenten Husni Mubaraks, der in der Nacht in einer Fernsehansprache seinen Willen zum Verbleib an der Macht bekundet hatte, demonstrierten auch in der Nacht wieder Zehntausende Ägypter in Kairo.

Zwar war die Stimmung in Kairo von Wut und Enttäuschung geprägt und die Demonstranten forderten weiter lautstark den Rücktritt Mubaraks, es kam jedoch nicht zu gewaltsamen Ausschreitungen.

US-Präsident Barack Obama reagierte verärgert auf Mubaraks Fernsehansprache und ließ schriftlich mitteilen,  er sei „nicht überzeugt, dass die Regierung es wirklich ernst meint mit einem echten Übergang zur Demokratie“. Die ägyptische Regierung müsse einen glaubwürdigen, konkreten und eindeutigen Weg zu einer echten Demokratie vorbringen“. Die Gelegenheit dazu sei bislangnicht genutzt worden.

Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei schrieb im Kurzmitteilungsdienst Twitter: „Ägypten wird explodieren. Die Armee muss das Land jetzt retten.“ Gegenüber dem Fernsehsender BBC erklärte er: „Die Menschen sind sehr verärgert. Wir sollten uns Sorgen machen.“. Ein Mitglied der oppositionellen Muslimbruderschaft äußerte sich ebenfalls enttäuscht: „Die Rede ist frustrierend und missachtet den Willen desVolkes.“ Ähnliches wird aus den USA geäußert: „Das war ein immens provokativer Schritt“, so Robert Springborg, Professor für Nationale Sicherheitsfragen an einer Universität der US-Armee. „Verzweifelte alte Männer verspielen das Schicksal ihrer Nation, um ihre persönlichen Interessen zu wahren.“

Auch Wirtschaftsexperten zeigen sich besorgt und warnen vor einem Exodus internationaler Investoren: „Niemand versteht und kann vorhersagen, was jetzt geschehen wird“, analysiert der Volkswirt John Sfakianakis von der Bank Saudi Fransi. „Die Marktteilnehmer werden in Scharen davonlaufen.“

Unterdessen warnt Außenminister Guido Westerwelle (FDP) vor Gewalt gegen Demonstranten. Er forderte das ägyptische Regime auf, bei den nun erwarteten neuerlichen Demonstrationen keine Gewalt anzuwenden. Dies bedeute, dass Demonstranten „nicht niedergeknüppelt werden, dass sie keine Gewalt fürchten müssen und dass die Sicherheitsbehörden diese Demonstration auch schützen“.

Die Opposition zeigt sich fest entschlossen und will im Rahmen der Freitagsgebete landesweit bis 20 Millionen Menschen auf die Straße bringen. Rufe nach einem neuen Generalstreik sowie einem Marsch der Massen zum Präsidentenpalast wurden laut.

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