"Wir sind alle Ägypter. Wir sind alle Khaled Said"

Zeitgleich mit den euphorischen Reaktionen auf dem Tahrir-Platz in Kairo brach auch auf der Facebook-Seite "We are all Khaled Said" ein Sturm an Reaktionen los. Binnen Sekunden meldeten sich Tausende User zu Wort.

Akribisch hatten die Administratoren der Seite das Geschehen vor Ort als auch in den Medien verfolgt. Den Rücktritt des Präsidenten Hosni Mubaraks verkündeten sie schließlich in Großbuchstaben und schreiben wenig später: „Wir sind alle Ägypter. Ihr seid alle Ägypter. Wir sind alle Khaled Said“.

Khaled Said war ein 28jähriger Ägypter aus Alexandria, der beim Besuch eines Internetcafes im Juni vergangenen Jahres von Sicherheitsbeamten mitgenommen und wenig später brutal niedergeschlagen wurde, an dessen Folgen er wenig später starb. Offiziell soll er beim Versuch, seine Drogen zu verstecken, an einer Überdosis Drogen gestorben sein.

Mittlerweile verfolgen fast 70.000 Facebook-Mitglieder die Pinnwand-Einträge von „We are all Khaled Said“. Ihre Freude äußerten sie mittels Kommentaren und noch häufiger über den „Gefällt mir“-Button. Gut 4000 unter ihnen haben kurz nach der historischen Meldung ihr Gefallen bekundet. Mehr als 1000 Kommentare sind inzwischen allein zum Rücktritt des Staatschefs eingegangen.

„Herzlichen Glückwunsch an die ägyptische Bevölkerung. Ihr habt euch den Respekt der ganzen Welt verdient! Ich freue mich so für Euch“, sagt etwa Øystein Kleven und steht damit stellvertretend für das Gros der Kommentatoren. Unterdessen fasst User Stefan Meinke zusammen: „Indien, Portugal, Polen, Ungarn, Ost-Deutschland, Tschechei… jetzt Ägypten!!!!“ Er fragt: „Wer kommt als nächstes? Die Geschichte wartet auf den Iran.“

Ein wenig Skepsis bringt Nutzerin Martina Schöggl an anderer Stelle in die Facebook-Runde: „Man muss das Ganze natürlich auch kritisch sehen“, schreibt sie. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich einfach der nächste „Machtgeile“ an die Spitze stelle, sei doch ziemlich groß. Sie lenkt jedoch ein: „Aber jeder Schritt, in Richtung Demokratie ist ein guter Schritt. Und es ist ei…nfach großartig mitzuerleben, wenn es dem Volk gelingt, zu verändern! Schöner Moment für Ägypent. let’s dance!“

Ägypten muss sich nun an der Türkei orientieren

Der Facebooker Marco Medici ist überzeugt; Jetzt, nachdem der „letzte Pharao“ des Landes nach gut 30 Jahren Regentschaft gegangen ist, müsse Ägypten mit der Türkei zusammenarbeiten und von den dortigen Erfahrungen profitieren. Er appelliert: „Zeigt der Welt, dass ihr eine Demokratie wie in der Türkei umsetzen könnt.“ Medici spiegelt mit dieser Einschätzung wider, was eine kürzlich veröffentlichte Studie der Türkischen Stiftung für Wirtschaftliche und Soziale Studien (TESEV) bereits deutlich herausgestellt hat: die Türkei steht im arabischen Raum für eine „erfolgreiche Verbindung von Islam und Demokratie“.

Für den jungen Mann ist deshalb auch klar, welcher Herrscher nun an der Reihe ist: „Der NÄCHSTE ist der letzte Diktator Saudi Arabiens. Wacht auf und tretet dem KÖNIG in den ARSCH!“

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.