Obama kommentiert Ereignisse in Ägypten

Während Kairo noch immer im Freudentaumel versinkt und weiterhin Menschen Richtung Tahrir-Platz strömen, hat sich US-Präsident Barack Obama in einer Fernsehansprache an die Nation gewandt.

Mit seinem jüngsten Vorgehen hat der ehemalige ägyptische Staatschef Hosni Mubarak auch Washington in die Irre geführt. Der CIA hatte eigentlich bereits am Donnerstag mit einem Rücktritt des 82-Jährigen gerechnet. Letztlich konnte die Führung anschließend nur mit Überraschung auf seine dritte Rede an das Volk reagieren. Jetzt war der Präsident aber offenbar informiert worden. Mubarak persönlich habe ihn in einem Telefonat am Freitagvormittag von seinem Rücktritt in Kenntnis gesetzt.

Nun prägt die Sorge vor einem möglichen Chaos und die Ungewissheit über den Nachfolger und dessen Einstellung gegenüber den USA, die Atmosphäre im Weißen Haus.

Bis zuletzt hatte sich Obama diplomatisch gegenüber Mubarak geäußert. Zwar hatte er immer wieder von einem „jetzt“ einzuleitenden „geordneten Übergang“ und der Erfüllung von „Minimalforderungen“ des Volkes gesprochen, die zu erfüllen seien. Das Wort „Rücktritt“ fiel dabei allerdings nicht.

Um kurz nach 21 uhr tritt der Präsident vor die Kameras. Er spricht aus dem großen Foyer des Weißen Hauses.

Über die Facebook-Seite des Weißen Hauses haben User die Möglichkeit in Echtzeit zu kommentieren.

Wie Barack Obama formuliert, gibt es „nur wenige Momente in unserem Leben, an denen wir das Privileg haben zu erleben, wie Geschichte gemacht wird. Das ist so einer.“ Heute sei „nicht das Ende, sondern der Anfang eines Übergangsprozesses“. Obama: „Ich bin zuversichtlich, dass das Volk Ägyptens den richtigen Weg finden wird – und zwar friedlich.“ Nichts weniger als echte Demokratie entspreche ihren Wünschen. Die USA würden weiterhin ein Freund und Partner sein: „Wir sind bereit, alle Mittel zur Verfügung zu stellen, um einen friedlichen Übergang zu gewährleisten.“ Obama spricht von einem enormen Potential der jungen Generation.

Ägypten habe 6000 Jahre lang eine entscheidende Rolle in der Menschheitsgeschichte gespielt. So, urteilt er, auch heute. Die Menschen hätten das Gefühl gehabt, ihre Stimme zähle wieder etwas, jede einzelne habe einen Wert. So funktioniere echte Demokratie. Immer wieder unterstreicht Obama den friedlichen Verlauf und den Zusammenhalt untereinander. Menschen verschiedener Glaubensrichtungen hätten gemeinsam gebetet. Das könne man nur mit Hoffnung betrachten: „Wir werden durch unsere gemeinsame Menschlichkeit definiert. Hier haben wir eine neue Generation erlebt, die neue Technologien einsetzt, um ihre Forderungen zu verdeutlichen. Die Ägypter haben uns inspiriert, indem sie ihr Leben für die Idee risikiert haben, dass Gerechtigkeit nicht durch Gewalt erreicht wird. Es war die moralische Stärke, die letztlich diesen Weg gebahnt hat.“

Obama erinnert an den Mauerfall in Deutschland und zieht Parallelen zur Geburt einer neuen Nation in Ghana. „Es gibt etwas in der Seele, das nach Freiheit schreit“, zitiert er Martin Luther King. Der heutige Tag gehöre dem Volk Ägyptens. Obama: „Wir sind ein Volk.“ Tahrir, der Name des Platzes, auf dem in Kairo die Proteste stattfanden, bedeute in der Übersetzung „Befreiung“. Das spreche unser aller Seele an. Daran würden wir uns ewig erinnern. (Hier der genaue Wortlaut)

Reaktionen

Auf dem Facebook-Profil Barack Obamas löste die kurze Ansprache Hunderte Reaktionen aus. Das Gros der Kommentatoren äußert sich lobend. Felipe J Ruiz urteilt: „Das Statement von Präsident Obama: Kurz, nett, historisch und kraftvoll…“ Dina Yazdani fragt jedoch: „Als unser grausamer Governeur die Menschen auf den Straßen Teherans umgebracht hat, warum hast du da geschwiegen?“ Christina Bache Fidan ist vollends zufrieden, sie hatte auf einige inspirierende Worte in dieser Atmosphäre des Aufbruchs gewartet. Mit Obama habe sie diese bekommen.

Khalaut Mohamed erinnert an die Ereignisse auf den Malediven. Er befürchtet, dass nun die Muslimbruderschaft oder eine neue Generation von Diktatoren wie der amtierende Staatspräsident der Malediven, Mohamed Nasheed, in Ägypten an die Macht komme.

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