Ägypten feiert – aber wer folgt auf Mubarak?

Es ist vollbracht! 18 ewig lange Protest-Tage musste Ägypten auf den Rücktritt von Hosni Mubarak warten. Am heutigen Freitag war es dann soweit: Der Präsident des Landes ließ durch Vizepräsident Omar Suleiman mitteilen, dass er alle Amtsgeschäfte auf das Militär übertragen werde.

Die 30-Jährige Repression von Mubarak endet damit am heutigen Freitag – und Hunderttausende Menschen am Tahrir-Platz, dem Platz der Befreiung, in Kairo, fallen sich in die Arme und schwenken voller Stolz die Fahnen ihrer Nation gen Himmel.

Ein Großteil der Menschen muss diesen historischen Tag in Ägypten erstmal realisieren: Der „Pharao“ und Despot ist nicht mehr länger der Herr über das Bürgertum. Die Schreiber verweigern dem Pharao den Dienst – und das mit Erfolg. Ägypten hat sich von der Ära Mubarak endgültig gelöst. Und das ist der richtige Schritt für eine Weichenstellung in eine erfolgreiche Zukunft des Landes.

Nun liegt die Hoffnung des ganzen Landes in der Hand der Armeeführung.

Diese möchte weitreichende Reformen und Rechte für das Volk- vor allem die Einführung der Rechtsstaatlichkeit und der Meinungs- bzw. Pressefreiheit – aber ob sie die Herausforderungen am Nil lösen kann; dahinter steht ein großes Fragezeichen.

Allerdings hat Ägypten keine andere Wahl, als auf die Politik des Militärs zu bauen.

Die größte Oppositionsbewegung im Land, die Muslimbruderschaft, stellt keine Alternative zur autoritären Nationaldemokratischen Partei Mubaraks dar. Islamistische Grundsätze und Ziele sind gefährlich für das Land selbst. Und den Westen einschließlich Israel. Das zeigt das aktuelle Beispiel im Krisengebiet Naher Osten, der Irak. Nur durch ausländisches Militär konnte man einen Krieg mit Israel verhindern.

Geeignete Kandidaten für das Präsidentenamt haben sich zudem bisher nicht herauskristallisiert.

Der Regimekritiker und Friedensnobelpreisträger, Mohammed El Baradei, gilt zwar als politisches Alphatier und steht für einen kompletten Wandel des Landes in demokratische Grundzüge. Dennoch ist seine Unterstützung in der Bevölkerung nicht sehr hoch, da Baradei mehrere Jahre im Exil in Österreich verbracht hat. Der Oppositionspolitiker zog sich vor Mubaraks Herrschaft zurück und ließ sein Volk unter dem Regime niederdrücken. Jetzt, am Ende der Revolte, kam er nach Kairo. Aber erst, als das System Mubarak zu bröckeln begann. Keine Sache der Glaubwürdigkeit und des Vertrauens.

Ägypten steht vor einem kompletten Umbruch. Das Ende der Mubarak-Regentschaft ist ein triftiger Grund für die Menschen, den Volksfeiertag auszurufen. Das ist mehr als berechtigt und die Belohnung der Skandierungen der vergangenen zwei Wochen.

Doch die Zukunft Ägyptens nach der Ära des Präsidenten steht noch in den Sternen. Solange keine Lösung für die Zeit nach dem Militär gefunden ist, droht ein böses Erwachen im Land.

Eines ist nämlich klar: Eine Dauerlösung kann die Militärführung nicht sein.

Die Politik und die Staatsarmee sind zwei völlig verschiedene Pflaster.

Nun muss das Militär die Schritte zu einem geeigneten Präsidentenkandidaten und neuer Reformen unternehmen.

Vor allem Israel wird die Lage in Nordafrika weiter beobachten. Das arabische Land als einer der einzigen Verbündeten des jüdischen Staates droht ohne Mubarak die Beziehungen abzubrechen- und mit der Muslimbruderschaft an der Macht wird eine Kehrtwende von pro-westlich zu contra-westlich stattfinden.

Ein gefährliches Szenario – nicht nur für Israel.

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