Anstachelung zum spirituellen Beauty-Contest?

Die Justizministerin irrt: „Gleiche Chancen“ für alle Religionen sollte man nicht fordern. Das klingt nach Anstachelung zum spirituellen Beauty-Contest. Solche Wettbewerbe wurden früher in der Disziplin „Kreuzzug“ ausgetragen. Rechtsstaat und Scharia spielen in einer anderen Liga.

In einem Beitrag für die FAZ fordert Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger „gleiche Chancen“  für alle Religionsgemeinschaften. Die Kritik ließ sich nicht zweimal bitten: Wie könne man so etwas verlangen, wo doch der Islam die Scharia immer noch auf der Tagesordnung habe! Im Islam gebe es immer noch erhebliche Gewalt gegen Frauen, und die Rechte anderer Religionen existieren für den Islam nicht, wie in allen islamischen Ländern zu sehen.

Die Ministerin hat einen wunden Punkt getroffen – und der kann als Ausgangspunkt der Debatte dienen: Wie modern ist der Islam als Religion? Diese Frage zu beantworten fällt nicht leicht – denn viele Texte des Koran legen das Gegenteil nahe. Nun haben es Weltreligionen so an sich, dass sie ein Sammelsurium bieten, aus dem sich jeder herauspickt, was er braucht. Würde die Interpretation der Thora, wie sie die jüdischen Siedler im Westjordanland praktizieren, als jüdischer Mainstream gesehen – man dürfte keinem Juden auf der Welt ohne größtes Misstrauen begegnen. Extreme Tendenzen finden sich überall, wo monotheistische Religionen sich entfalten.

„Gleiche Chancen“ für alle Religionen sollte man nicht fordern. Das klingt nach Anstachelung zum spirituellen Beauty-Contest. Solche Wettbewerbe wurden früher in der Disziplin „Kreuzzug“ ausgetragen.  Man sollte von „gleichen Rahmenbedingungen“ sprechen. Religion kann eine tolle Sache sein, sie kann aber auch verheerende Nebenwirkungen haben. Die Aufgabe eines demokratischen Staates ist es, wirksame Schranken gegen Auswüchse zu errichten – das steckt hinter der Idee der „Rahmenbedingung“. Das Fundament, auf denen dieser Rahmen errichtet wird, bilden die Menschen- und Freiheitsrechte des Einzelnen. Nur sie hat der Staat zu schützen. Die Rechte von Gruppen – und seien sie noch so sympathisch – müssen hinter den Rechten des Einzelnen zurückstehen.

Eine aktive Mitwirkung in diesem Prozess hat der Islam in der Tat auf globaler Ebene noch vor sich. Aber er steckt mittendrin. In  Deutschland zeigen immer mehr Muslime, dass die Idee des demokratisch-freiheitlichen Rechtsstaats mit ihren religiösen Vorstellungen vereinbar ist. Dazu zählt, dass Religion dann am schönsten ist, wenn sie sich in maximaler Entfernung vom Staat entfalten kann.

Michael Maier

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