Zum Erfolg verdammt: Das heilige Experiment von Düsseldorf

Damit es wirklich eines Tages islamischen Religionsunterricht in NRW gibt, müssen vor allem die muslimischen Organisationen ihre Streitereien beenden. Und auf die staatlichen Stellen kommt jede Menge Vermittlungsarbeit zu.

Islamischer Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen: Ein halbes Jahrhundert für einen kleinen Fortschritt! Als vor 50 Jahren die ersten türkischen Gastarbeiter nach Köln zu Ford kamen, wurde das Land erstmals mit dem Islam konfrontiert. Naja, nicht wirklich – die meisten Türken lebten zurückgezogen, arbeiteten Tag und Nacht und wurden nicht als Missionare tätig. Aber je länger sie blieben, und je mehr Kinder sie hatten, desto mehr stellte sich auch die Frage: Ist unsere Religion eine wie jede andere? Wie können wir unsere Kinder erziehen? Welche Rolle spielt der Staat dabei?

Die Einigung in Düsseldorf auf einen Fahrplan zur Einführung des islamischen Religionsunterrichts ist ein wichtiger Meilenstein. Aber das Thema ist damit noch nicht „durch“ – im Gegenteil. Manche befürchten, dass das Hauen und Stechen jetzt erst so richtig losgeht. In gewisser Weise erinnert der Prozess an die Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei: Auch da gab es großes Hallo, aber mittlerweile hat sich Ernüchterung breit gemacht. In vielen Details sitzen viele Teufel, und warum sollte das beim Religionsunterricht anders sein?

Die wichtigste Aufgabe kommt den Muslimen selbst zu: Sie sind zum Erfolg verdammt. Sie müssen einen tragfähigen Konsens innerhalb der verschiedenen Strömungen herstellen. Wer sie kennt, weiß: Mitunter trauen sie einander vor allem alles Schlechte zu. Der Zentralrat hat hier eine wichtige Aufgabe und muss versuchen, seinen Status mit Leben zu erfüllen. Alle muslimischen Gruppen müssen Kompromisse machen, vor allem aber sollten alle das Thema als ein spirituelles begreifen – und nicht als ein Politikum.

Möglicherweise wird hier den Landesbehörden eine besondere Rolle zufallen: Sie müssen versuchen zu vermitteln. Sie dürfen sich nicht von Stimmungen und medialen Querschüssen beeinflussen lassen. Sie müssen sicherstellen, dass die Ansprüche realistisch bleiben – und den Muslimen zeigen, dass es für die Religionen nichts Besseres gibt als den distanzierten Staat. Gleichzeitig sollten sich die Landespolitiker aktiv um die christlichen Kirchen kümmern, um berechtigte Sorgen zu hören und unqualifizierten Verdächtigungen entgegenzutreten.

Wenn dies gelingt, kann NRW tatsächlich zum Vorbild für die anderen Länder werden. Ein Experiment bleibt es allemal – wenn auch ein heiliges!

Michael Maier

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