Türkçe-Deutsch: Können Migranten keine Sprache richtig?

Die Mehrsprachigkeit von Migranten ist keine Integrationshürde, sondern wertvolles Kapital. Sie muss gefördert werden.

Vor elf Jahren rief die Unesco den internationalen Tag der Muttersprache aus. Es ist die Sprache, mit der wir aufwachsen. Ein türkisches Sprichwort sagt daher, „bir lisan bir insandir“. Jede Sprache macht einen Menschen. Jede Sprache, die der Mensch kann, ist ein Gewinn für ihn.

In Deutschland ist die Sprachförderung in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Integrationsinstrumente avanciert. Bund, Länder und Gemeinden unterstützen so genannte alltagsorientierte Integrationskurse, die nicht nur sprachliche, sondern auch praktische und gesellschaftliche Inhalte über Land und Leute vermitteln und so den Zugang zu Grundkenntnissen ermöglichen.

Es geht auch um das Kennenlernen des Umfelds, damit sich die Teilnehmer besser im Alltag orientieren und verständigen können. Sprache ist einer der Schlüssel zur Integration. Denn Sprache ist die Voraussetzung für politische, soziale, kulturelle und strukturelle Integration. Sie kann also als Türöffner für die weiteren Integrationsbereiche dienen. Wer in Deutschland leben will, muss aus diesem Grunde selbstverständlich Deutsch lernen.

Das ist allerdings nur die eine Seite der Medaille. Neben der Aneignung des Deutschen als Verkehrssprache durch die Migranten ist es erforderlich, dass die Mehrheitsgesellschaft die Herkunftssprache der Zuwanderer akzeptiert. In der öffentlichen Diskussion, findet man in letzter Zeit häufig die Aussage, Kinder, die mit zwei Sprachen aufwüchsen, entwickelten oft eine doppelte Halbsprachigkeit. Sie könnten keine der beiden Sprachen richtig sprechen. Für eine solche Aussage gibt es allerdings keine sachliche Basis. Es handelt sich hierbei um eine Annahme, die auf einer falschen Einschätzung von Sprache und sprachlicher Vielfalt beruht. Dies gibt eher die soziale Bewertung eines bestimmten Sprachgebrauchs wieder.

In der öffentlichen Diskussion wird oft angenommen, dass nur die deutsche Sprache Integration ermöglicht. Die Muttersprachen der Migranten werden teilweise sogar als Integrationshindernis und nicht als individuelle Ressource gesehen. So wird die Muttersprache zu selten in Kitas und Schulen mit einbezogen. Für Kinder ist es aber wichtig, beim Erlernen des Deutschen an ihre Kenntnisse aus der Muttersprache anknüpfen zu können. Diese Zweisprachigkeit wird hierzulande noch zu selten gefördert. Man kann zudem von zweisprachig aufwachsenden Kindern nicht erwarten, dass sie vor dem Schulbeginn gleich gut Deutsch sprechen, wie ihre einsprachig erzogenen Mitschüler. Zweisprachig erzogene Kinder benötigen oft länger zum Spracherwerb.

Allerdings macht die mehrsprachige Situation Kinder kommunikativ kundiger und flexibler und kann ihnen das Lernen von weiteren Fremdsprachen erleichtern. Mehrsprachigkeit stellt daher eine bedeutende Ressource in unserer Gesellschaft dar und ist sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft von besonderer Relevanz. Das Aufwachsen mit zwei oder auch mehr Sprachen darf kein Problem darstellen Mehrsprachigkeit ist mittlerweile eher der Normalfall in unserer Gesellschaft. Schon bald wird ein Aufwachsen mit nur einer Sprache die Ausnahme sein, nicht die Norm.

Es besteht kein Zweifel daran, dass der Erwerb der deutschen Sprache den MigrantInnen Integrationsmöglichkeiten öffnet. Aber auch die Muttersprache stellt eine wichtige Ressource dar, die akzeptiert und gefördert werden muss.

Ercan Karakoyun

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