Türken stören sich an Teherans Protektionismus

Die renommierte Jamestown Foundation analysiert das Verhältnis zwischen der Türkei und dem Iran (Auszug).

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül war kürzlich zu einem viertägigen Staatsbesuch im Iran, um über Möglichkeiten einer weiteren bilateralen Zusammenarbeit zu sprechen. Die Häufigkeit der ranghohen gegenseitigen Besuche verdeutlicht die zunehmende Bedeutung der Beziehungen zwischen Ankara und Teheran. Vor allem die Einbeziehung der Türkei als Vermittler im herrschenden diplomatischen Patt im Atomstreit ist für die internationale Gemeinschaft von herausragender Rolle.

Bisher hat sich die Türkei mit einem eigenen Standpunkt gegen Zwangsmaßnahmen des Westens gegenüber dem Iran gestellt. Das Land am Bosporus vertraut darauf, dass das iranische Urananreicherungsprogramm ausschließlich zu friedlichen Zwecken betrieben wird und plädiert daher für eine diplomatische Lösung durch Dialog und Auseinandersetzung. Gül betont immer wieder, dass dem Iran diesbezüglich eine ehrenvolle Lösung angeboten werden müsse. Mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinejad hat er sich bereits darauf verständigt, die gemeinsamen Anstrengungen in dieser Sache fortzuführen. Zusammen sollen weitere Lösungsmöglichkeiten erkundet und ein Fahrplan ausgearbeitet werden.

Während die westlichen Staats-und Regierungschefs, einschließlich der europäischen Funktionäre, ein Entgegenkommen des Iran fordern, ist die Türkei über eine weitere Eskalation der Spannungen besorgt und hat eine Fortsetzung des Dialogs gefordert. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu schlug vor, dass das nächste Treffen zwischen dem Iran und den Weltmächten in Istanbul stattfinden könnte.

Neben der Frage um das iranische Atomprogramm standen während des Besuchsauch die wirtschaftlichen Beziehungen mit der Türkei auf der Agenda. Bereits in den letzten Jahren ist das türkisch-iranische Handelsvolumen stark angewachsen. Allein im letzten Jahr betrug es zehn Milliarden US-Dollar. Eine große Herausforderung stellt jedoch das türkische Handelsbilanzdefizit dar. So weist die Türkei jährlich Exporte in Höhe von drei Milliarden US-Dollar auf, die Importe in Höhe von rund sieben Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr gegenüberstehen. Erdogan hat angekündigt, das Handelsvolumen auf 30 Milliarden US-Dollar erhöhen zu wollen.

Trotz aller Fortschritte in der Zusammenarbeit mit iranischen Geschäftspartner machte Gül jedoch keinen Hehl aus seiner Unzufriedenheit bezüglich der protektionistischen Wirtschaftspolitik des Irans. Er forderte die Aufhebung der Beschränkungen und die Verhandlung eines Freihandelsabkommens. Für den Iran ist die Beziehung zur Türkei von entscheidender Bedeutung, gerade im Hinblick auf jüngste Sanktionen von Seiten der USA, die den Iran zunehmend isolieren.

Vor diesem Hintergrund ist die Türkei zu einer Art Rettungsleine für den Iran geworden. So unterstrich der türkische Experte Bayram Sinkay in einem kürzlich veröffentlichten Bericht, dass die Türkei, durch die gegenseitige Annäherungspolitik zunehmend den bisher wichtigsten Partner des Irans, das Emirat Dubai, ersetzen würde.

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