El Baradei fordert: Mubarak muss zurücktreten

Für die Demonstranten in Kairo gibt es nur eine wirklich wichtige Forderung: Sie wollen, dass Präsident Hosni Mubarak zurücktritt.

Mehr als 2.000.000 Ägypter sind am Dienstag ins Zentrum von Kairo zum „Marsch der Million“ gegen Präsident Husni Mubarak geströmt.

„Wir akzeptieren von Mubarak nichts anderes, als dass er sich in ein Flugzeug setzt und verschwindet“, sagte ein Demonstrant auf dem Tahrir-Platz war. „Hau ab nach Saudi-Arabien oder Bahrain!“, riefen Männer, Frauen und Kinder. Korruption, Misswirtschaft, Unterdrückung – die Ägypter haben genug von Mubarak und seiner Führung. Mit dem Vorbild Tunesien vor Augen, wo der Präsident nach tagelangen Protesten vor seinem Volk floh, machen die Ägypter seit Tagen ihrem Unmut Luft. Weder die halbherzige Regierungsumbildung noch die vom neuen Vize-Präsidenten Omar Suleiman in Aussicht gestellten Zugeständnisse wie eine Verfassungsreform reichen den Bürgern.

Mubarak müsse sofort zurücktreten, um einen Dialog zu ermöglichen, forderte auch der Friedensnobelpreisträger ElBaradei. „Es kann einen Dialog geben“, sagte er dem Fernsehsender Al-Arabija. Das sei aber nur möglich, wenn die Forderungen des Volkes erfüllt seien und die erste Forderung laute, dass Mubarak zurücktrete. „Wenn Präsident Mubarak geht, dann wird alles korrekt laufen.“

Schon vor dem Ende der Ausgangssperre versammelten sich Tausende auf dem Tahrir-Platz, der zum Symbol der Massenproteste geworden ist. Viele Menschen harrten dort sogar die ganze Nacht aus. Bis zum Mittag waren es mehr als 2.000.000 Menschen. Und es wurden immer mehr. Oppositionsführer hofften, dass sich dem Massenprotest eine Million Menschen anschließen würden. Es wäre die größte Kundgebung seit Beginn der Proteste vor einer Woche.

Das Militär hat angekündigt, es werde nicht mit Gewalt gegen friedliche Demonstranten vorgehen. Damit haben die mächtigen Generäle der seit 30 Jahren währenden Herrschaft Mubaraks vermutlich den entscheidenden Stoß versetzt. Ein Abgang des 82-Jährigen würde aber auch das Machtgefüge im Nahen Osten umwälzen. Der Wortführer der Opposition, Mohamed ElBaradei, forderte Mubarak auf, zurückzutreten und so den Weg zu einem Dialog mit der Regierung freizumachen. Das Auswärtige Amt riet von Reisen nach ganz Ägypten einschließlich der Urlaubsgebiete am Roten Meer ab.

Die Bundesregierung hat angesichts der Entwicklung in Ägypten ihren Reisehinweis für das Land abermals verschärft. „Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach ganz Ägypten dringend ab“, sagte Außenminister Guido Westerwelle in Berlin. „Das schließt ausdrücklich die Touristengebiete am Roten Meer ein.“ Das gelte, auch wenn dort die Lage derzeit ruhig sei.

Zur Begründung verwies Westerwelle auf den „Marsch der Million“. Die Massendemonstrationen seien mit einem Aufruf zu einem landesweiten Generalstreik verbunden worden, dessen Ende nicht absehbar sei, sagte Westerwelle. Daher könne es auch in den fernab der großen Städte gelegenen Touristengebieten zu Engpässen bei der Versorgung und zu logistischen Schwierigkeiten kommen.

Für die deutschen Exporte erwartet die Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer (DAIHK) auch nach politischen Veränderungen in Ägypten keinen Einbruch. Deutschland exportiere jährlich Waren und Dienstleistungen im Wert von rund drei Milliarden Euro in das Land, sagte DAIHK-Geschäftsführer Rainer Herret im Deutschlandradio Kultur. Ägypten sei ein wichtiger Absatzmarkt für Maschinen und Anlagen. Er rechne nicht mit größeren Rückgängen, sagte Herret. Im vergangenen Jahr sei der Export um mehr als 20 Prozent gewachsen.

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