Nicht nur die Migranten müssen sich integrieren

Der Begriff Integration gehört seit einigen Jahren zu den zentralen Fragen öffentlicher und politischer Diskussionen. Immer häufiger wird das Thema mit Muslimen in Verbindung gebracht, denen man aufgrund ihrer andersartigen Religion einen höheren Integrationsbedarf als anderen Zuwanderern und Gesellschaftsgruppen unterstellt.

Die Integrationsdebatte muss von der Fokussierung auf Zuwanderer befreit werden

Der Begriff Integration gehört seit einigen Jahren zu den zentralen Fragen öffentlicher und politischer Diskussionen. Immer häufiger wird das Thema mit Muslimen in Verbindung gebracht, denen man aufgrund ihrer andersartigen Religion einen höheren Integrationsbedarf als anderen Zuwanderern und Gesellschaftsgruppen unterstellt. Der Begriff Integration wird im allgemeinen Sprachgebrauch für drei Themenfelder verwendet: So spricht man zum Beispiel von der Integration von Ausländern bzw. Migranten, von der Integration von Behinderten in Regelschulen und im beruflichen Leben sowie von der europäischen Integration.

Integration sollte allerdings auch eine Perspektive darlegen, die verschiedene Aspekte des gesellschaftlichen Zusammenhalts betrifft. Es geht also nicht nur um die Integration von Minderheiten und auch nicht nur um die Mehrheitsgesellschaft im Verhältnis zu den Minderheiten, sondern um umfassende Fragen gesamtgesellschaftlicher Zustände. Im Fokus steht die Herstellung eines Ganzen aus verschiedenen Teilen. Hierbei spielen sowohl die Beziehungen zwischen den gesellschaftlichen Teilen untereinander eine Rolle, als auch die Beziehung all dieser Gruppen zum Ausland. Ob Deutsch-Türke, Kommunist, Atheist, Liberaler, Sozialdemokrat, Obdachloser oder Anarchist: Sie alle sind Teil dieser Gesellschaft und stehen für Deutschland.

Daher müssen sich alle, um als Menschen leben zu können, miteinander verständigen, sich über gemeinsame Ziele verabreden und die hierzu erforderlichen Mittel und Methoden entwickeln. Das Integrationsverständnis muss  genau so dynamisch sein wie die Gesellschaft selbst. Auf der Suche nach Mitteln gesamtgesellschaftlicher Integration, kann hierbei der Sprache eine zentrale Bedeutung beigemessen werden. Eine Fokussierung auf Sprache und Spracherwerb allein führt jedoch zu einem einseitigen Verständnis von Integration, das die Integrationsleistung gänzlich dem Migranten überträgt.

In Bezug auf die Bedeutung der Religionen hingegen kann gesagt werden, dass diese kaum noch eine unmittelbare Rolle spielen. Eine zu starke Fokussierung auf Religion im Integrationsprozess geht an der Realität vorbei. Eine wichtigere Größe ist die Wirtschaft. Seit 50 Jahren leben die Muslime nun in Deutschland. Je besser die wirtschaftliche Situation, umso weniger wurde über sie und ihre Integration diskutiert. In Zeiten der Vollbeschäftigung spielten kulturelle und religiöse Unterschiede und sogar sprachliche Barrieren keine Rolle.

Anscheinend geht es daher nicht um die Frage, wie die Zuwanderer integriert werden können. Es geht darum, wie wir unsere Gesellschaft insgesamt – mit all seinen Bestandteilen, die immer unterschiedlicher und vielfältiger werden – zusammenhalten und zufriedener machen können. Die Integrationsdebatte muss von der Fokussierung auf Zuwanderer befreit werden. Die Hauptfrage lautet dann: Was haben die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen in unserem Land einzubringen?

Das Thema der gesamtgesellschaftlichen Integration befreit von der Betrachtung religiöser und kultureller Unterschiede. So gewinnen alle Teile der Gesellschaft neue Funktionen im Zusammenspiel mit wirtschaftlichen und sozialen Faktoren der Integration, indem sie zu Zusammenhalt, Gerechtigkeit und Chancengleichheit beitragen müssen. Jeder einzelne ist dann gefordert, Deutschland zukunftsfähiger zu machen.

Ercan Karakoyun

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