"Denn so ist der Islam nicht"

Die Medien hätten „sehr stark dazu beigetragen, eine negative Einschätzung der Muslime in der Gesellschaft auszulösen“, so lautete eine der geäußerten Befindlichkeiten junger Muslime bei der Veranstaltung des Projektes „Junge muslimische Stimmen im Dialog“ am vergangenen Samstag, dem 29.01.2011, im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Sie wehren sich gegen das Bild, das in der Öffentlichkeit vom Islam gezeichnet wird. Das Projekt soll ihnen dabei helfen.

Insgesamt ging von allen jugendlichen Teilnehmern der Eindruck aus, dass sie stark darunter leiden, dass in den Medien zum Teil ein schlechtes Bild ihrer Religion vermittelt wird. Der Drang, dieses Bild aufzubrechen, äußert sich in ihren Wortbeiträgen. Man will „nicht nur etwas erwarten von der Gesellschaft“, sondern „auch etwas dafür tun, dass wir willkommen sind.“ Rednerin Lale , deren Eltern aus Ägypten stammen, äußert energisch: „Wir als Muslime haben uns selbst in der Hand. Wir können uns selbst ändern. Wir können das Bild widerlegen, das es in den Medien von uns gibt. Wenn wir freundlich sind und hilfsbereit und gut in der Schule, dann ist es egal, was in den Medien gesagt wird. Denn dann zeigen wir: So ist wirklich ein Moslem.“

Langfristig sieht Lale Chancen, das öffentliche Bild der Muslime aufzupolieren, darin, dass sie aktiv ihre Bereitschaft zur Mitarbeit an gesamtgesellschaftlichen Problemen signalisieren, die unabhängig von der Religionszugehörigkeit existieren. Als Beispiele nennt sie das Drogenproblem oder den Umweltschutz, die es zusammen anzupacken und zu bewältigen gelte.

Als konkrete Früchte erhofft sie sich von dem Projekt, wie sie im Anschluss der Veranstaltung auf Nachfrage erklärt, erstens, dass sich die Muslime mehr in die Gesellschaft einbringen, zweitens dass die Gesellschaft versucht, den Islam und die jeweiligen Kulturen der islamischen Länder kennenzulernen und die Angst vor dem Fremden abzulegen und drittens, dass der Islam in den Medien differenzierter dargestellt wird.

Rechtliche Stellung des Islam

Zum oft vorgeworfenen Argument, die Muslime in Deutschland würden keine geschlossene Einheit repräsentieren, plädiert ein Redner an die verschiedenen muslimischen Organisationen und Dachverbände in Deutschland, sie sollten eine Einheit bilden und aufhören, in Konkurrenzverhalten zueinander zu agieren und stattdessen mit dem Staat gemeinsam zusammenzuarbeiten. Vom Staat verlangt er, dass er den Muslimen Hilfestellung gibt, sich besser zu organisieren und dadurch die Möglichkeit zu erhalten, mehr Anerkennung zu erreichen.
Berlins Innen- und Sportsenator Erhart Körting, unter dessen Schirmherrschaft das Projekt läuft, und welcher der Präsentation der Gruppenergebnisse beiwohnte, sprach den Jugendlichen Mut zu, weiter daran zu arbeiten, dass ein gemeinsamer Umgang selbstverständlich werde.

Ansprechpartner: Für die Durchführung in Abstimmung mit Moscheevereinen und muslimischen Organisationen ist der freie Träger RAA e.V. verantwortlich.

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