"Es war noch nie ein Problem, ein Kopftuch zu tragen"

Habibe Güclücan ist 25 Jahre alt und bereits jetzt stellvertretende Betriebsrats- und Personalausschussvorsitzende beim größten Standort des deutschen Callcenterbetreibers Tectum Group in Gelsenkirchen und somit für etwa 1.000 Mitarbeiter zuständig. Die junge Frau mit türkischen Wurzeln ist auf Grund ihrer schnellen Karriere als Ausnahmeerscheinung zu betrachten.

Eine junge Karrierefrau erklärt, wie sie sich in einem großen Unternehmen durchgesetzt hat

Habibe Güclücan ist stolz darauf, die Interessen der Mitarbeiter vertreten zu können und blickt auch schon auf einige positive Ergebnisse zurück, die Ansporn für weitere Verbesserungen im Arbeitsalltag sind.

Ihren Glauben lebt Güclücan aktiv und zeigt das mit dem Tragen ihres Kopftuches auch nach außen. Ein Problem ist das weder für ihren Arbeitgeber noch für ihre Kollegen. „Jeder wird aufgenommen, der das Potential dazu hat, mit Kunden zu sprechen und keine Hemmungen davor hat, mit Konfliktsituationen am Telefon umzugehen. Welches Aussehen oder welchen Hintergrund er hat, das ist hier zweitrangig“, so die junge Frau über die Unternehmensphilosophie.

Sie selbst ist überzeugt, dass eine Differenzierung zwischen Glaube und Kultur und natürlich auch dem Berufsleben entscheidend sei. „Ich bin zwar eine muslimische Türkin, aber ich lebe in Deutschland und dementsprechend verhalte ich mich. Ich lebe meinen Glauben. Doch Glauben und Kultur sind für mich ganz unterschiedliche Dinge“, stellt sie den Umgang mit ihrer Religion im Alltag heraus.

Nach Abitur und Heirat habe sie nach einer neuen Herausforderung abseits des eigenen Haushalts gesucht und diese schließlich auch gefunden. Eine berufliche Perspektive in der Türkei stand dabei nie zur Debatte, weder für ihre Familie – der Großvater war einst als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen – noch für sie selbst. Schon bald nach Eintritt bei der Tectum Group bekam sie die Möglichkeit, sich in den – auch auf Druck der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di – zustande gekommenen neu gegründeten Betriebsrat einzubringen, in dem sie nun seit etwa drei Jahren aktiv ist. Heute ist sie zufrieden, Teil eines multikulturellen Unternehmens zu sein.

„Wir haben alles“, beschreibt Güclücan die internationale Zusammensetzung. „Auch ein Kopftuch zu tragen – wie ich selbst – ist kein Problem. Das war es noch nie.“ Sie selbst befinde sich in einer Position mit Vorbildfunktion. Ihren beruflichen Erfolg und das Ansehen bei ihren Kollegen macht sie jedoch nicht an ihrer Herkunft fest: „Ich denke nicht, dass das etwas mit der Herkunft oder der Sprache, sondern eher mit meiner Person zu tun hat. Ich bin ein sehr offener Mensch, nehme jedes Problem an und versuche es zu lösen.“ Bevor es einen Betriebsrat gegeben habe, hätten die Mitarbeiter keine Möglichkeit der Einflussnahme gehabt, stellt sie abschließend fest. Die Geschäftsführung habe einfach entscheiden können. Ein Aufbegehren sei nur individuell möglich gewesen. Jetzt habe sich das geändert.

Zur Frage nach der Komplexität des Callcenter-Jobs erklärt Güclücan, in so genannten Welcomedays würden potentielle Mitarbeiter auf ihre Fähigkeiten überprüft. Das fließende Sprechen der deutschen Sprache gehöre an Anforderungen selbstverständlich ebenso dazu wie ein Grundverständnis für die jeweiligen Zusammenhänge. Weiteres Wissen könne dann in Schulungen erworben werden. Doch noch eine andere Eigenschaft stellt Güclücan als bedeutsam heraus. Man dürfe keine „Hemmungen davor haben, dass die Situation auch einmal am Telefon eskaliert“.

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