Gärtnern gegen den Weltuntergang

Ein türkischer Gartengründer zeigt den Zusammenhang von Ernährung und Klimaschutz auf

In seinem „Interkulturellen Garten“ im Berliner Stadtteil Kreuzberg lehrt Turgut Altug praktischen Umweltschutz. Er ist überzeugt: „Umwelt- und Naturschutzthemen gehen uns alle an.“ Da es für Migranten keine speziellen Angebote gegeben habe, sich an Umweltschutz-Projekten zu beteiligen und die großen deutschen Naturschutzverbände diese Menschen nicht angesprochen hätten, brachte er das Deutsch-Türkische Umweltzentrum im Januar 2009 auf den Weg. Auf 200 Quadratmetern bauen die meist türkischstämmigen Nutzer in eigenen Parzellen Biogemüse und -kräuter an.

Kinder aus der Umgebung werden zum Ernten und gemeinsamen Kochen eingeladen. Das Umweltzentrum ist Teil des Türkisch-Deutschen Zentrums, dem zweitgrößten Träger von Integrationskursen in Berlin, und soll zu einer erfolgreicheren Integration beitragen. Zur Eröffnung war auch der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel erschienen und hatte das Umweltzentrum als „ganz fantastische Einrichtung“ betitelt. Die Angebote an Umweltbildung müssten für Kinder mit Migrationshintergrund ausgebaut werden, schließlich komme fast jeder vierte Jugendliche in Deutschland aus einer Ein-wandererfamilie.

Neben der Gartenarbeit veranstaltet seine Organisation auch Kochkurse speziell mit Jungen und sogenannte Klimafrühstücke. Das habe eine Menge mit Klimaschutz zu tun, erklärt er: „20 Prozent der CO2 bzw. Klima schädlichen Gase entstehen durch die Ernährung, wie wir uns ernähren, wie wir einkaufen, ob wir saisonal oder regional einkaufen, ob wir Tomaten im Winter essen, die aus Spanien hier her transportiert werden oder ob wir Tiefkühlware essen oder Fleisch. Das alles hat eine Auswirkung auf das Klima und bei so einer Aktion zeigen wir den Teilnehmenden, dass sie für das Klima bzw. den Umweltschutz etwas machen können“.

Dennoch kennt auch der Gartengründer Skeptiker, die den Klimawandel anzweifeln. Deren Haltung könne er nicht verstehen, schließlich gäbe es Fakten von unabhängigen Wissenschaftlern aus aller Welt, die sich nicht so einfach von der Hand weisen ließen. Altug: „Es ist ja belegt, dass hinter solchen Menschen, die den Klimawandel skeptisch betrachten, auch große Konzerne aus den USA und anderen Ländern stecken, die unsere Wirtschaftslage so haben wollen wie sie war und sich da kaum Ver-änderungen wünschen. Und in der Hinsicht ist es auch eine gezielte Kampagne mit der versucht wird, den Klimawandel in Frage zu stellen. 98,5 Prozent der Wissenschaftler haben weltweit mit mehreren Studien belegt, dass ein Klimawandel existiert.“

Ende 2010 erhielt Altug für seine Arbeit die Integrationsmedaille. „Es ist gut zu wissen, dass die Arbeit, die wir hier seit Jahren machen, von der Bundesregierung anerkannt wurde“, freut sich Altug. Er habe schon mehrere Auszeichnungen erhalten, eine von der Bundesregierung zu bekommen sei da aber dennoch eine Besonderheit. Insgesamt seien Preise für ihn dennoch eher symbolisch. Auf Medaillen legt er keinen großen Wert. „Ich lege Wert darauf, dass wir als Organisation Anerkennung erfahren“, so Altug.

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