Islamunterricht in Deutschland: Länder müssen sich bewegen

„Wir brauchen ihn jetzt und überall und nicht nur als Pilotprojekt“, sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière über den islamischen Religionsunterricht, den er möglichst rasch in ganz Deutschland etablieren möchte. Während einer Tagung in Nürnberg, organisiert im Rahmen der Deutschen Islam Konferenz, hat der CDU-Politiker die Notwendigkeit eines solchen Schrittes noch einmal herausgestellt. Jetzt setzt er die Bundesländer unter Zugzwang.

„Wir brauchen ihn jetzt und überall – und nicht nur als Pilotprojekt“, sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière über den islamischen Religionsunterricht, den ermöglichst rasch in ganz Deutschland etablieren möchte. Während einer Tagung in Nürnberg, organisiert im Rahmen der Deutschen Islam Konferenz, hat der CDU-Politiker die Notwendigkeit eines solchen Schrittes noch einmal herausgestellt. Jetzt setzt er die Bundesländer unter Druck.

Für muslimischen Schulkinder wäre die Einführung des Islamunterrichts als ordentliches Schulfach eine „wirksame Immunisierung“ gegen den Extremismus, so seine Überzeugung. Bisher laufen nur Modellversuche an 460 Schulen in Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Von den mehr als 580.000 muslimischen Kindern dort nehmen aber lediglich etwas mehr als vier Prozent teil. Durch die vollständige Eingliederung in alle Schulen würde sich, da ist sich der Minister sicher, der Islamunterricht raus aus den Hinterhöfen der Moscheen bewegen.

Mit der Umsetzung, die seit Jahren immer wieder diskutiert und bisher in Modellprojekten steckengeblieben ist, sind laut de Maizière Schwierigkeiten verbunden. So mahnte de Maizière davor, das Religionsverfassungsrecht verwässern zu wollen. „In unserem Land ist kein Platz für Fanatiker, erst recht nicht für religiöse Fanatiker“, betonte er. Auch die Strukturen innerhalb der muslimischen Gemeinschaft müssten sich verbessern bzw. erst noch geschaffen werden. Die derzeit vorherrschende Organisation der Islamverbände sowie die Vielschichtigkeit des Islams verhindern ein solches Vorhaben. Denn eine wesentliche Voraussetzung für die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts sei eine sogenannte Religionsgemeinschaft im juristischen Sinne, die als Institution als Ansprechpartner fungieren, die Grundsätze für den Religionsunterricht definieren und darüber hinaus unter anderem seine Inhalte festlegen müsste.

Um eine solche Institution zu schaffen, ist de Maizière zu Kompromissen bereit. Übergangsregelungen oder Kooperationen mit Organisationen, „die auf dem Weg zur Anerkennung als Religionsgemeinschaft im rechtlichen Sinne sind“, zieht er in Betracht. Im Gegenzug erwarte man jedoch von den muslimischen Kooperationspartnern, dass sie innerhalb einer „absehbaren Frist“ die Merkmale einer Religionsgemeinschaft erfüllen. Ein weiteres, schweres Manko aus Sicht des Ministers: Es fehlt schlicht an Personal. Bis entsprechende Religionslehrer ausgebildet oder umgeschult sind, werde einige Zeit vergehen. Unmöglich also, einen genauen Zeitrahmen festzulegen.

Trotz einiger Hindernisse wie das des fehlenden Zeitrahmens mahnte er an, den Motivationsschub der Konferenz, die zum Thema „Islamischer Religionsunterricht in Deutschland“ im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stattfand, zu nutzen. In den nächsten ein, zwei Jahren sollten die Bundesländer den Empfehlungen des Bundes folgen und den Kontakt zu den Muslimen nutzen. Spätestens im nächsten Jahr sollten flächendeckende Vereinbarungen mit Verbänden geschlossen werden. „Parallel dazu muss dann auf jeden Fall die Anerkennung der Religionsgemeinschaft als formales Kriterium vorangetrieben werden“, so de Maizière.

Ein Lob richtete der Minister schon jetzt in Richtung Niedersachsen. Dort hätten sich die beiden islamischen Organisationen Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) und der Landesverband der Muslime (Schura Niedersachsen) flexibel gezeigt und würden ein Vorankommen bei der Einführung von Religionsunterricht ermöglichen. Insgesamt gibt es dort bereits 42 Grundschulen, an denen islamischer Religionsunterricht unterrichtet wird.

Einen ersten Vorstoß hinsichtlich der Ausbildung des künftigen Personals macht zudem die Universität Osnabrück. Bereits im Wintersemester 2010/2011 startete ein universitäres Weiterbildungsprogramm für Imame und alle anderen seelsorgerisch wie religionspädagogisch Tätigen. Binnen zwei Semestern wird den Studenten hier eine Schulung mit den Schwerpunkten Landeskunde und Gemeindepädagogik angeboten Ab 2011/2012 soll darüber hinaus mit einem ordentlichen Studiengang Islamische Theologie begonnen werden, um dann unter anderem Religionslehrer und -lehrerinnen ausbilden zu können.

Mit der Einführung des Religionsunterrichts sind aber auch unterschiedliche Interessen verbunden. Die Landesregierungen hegen unter anderem die Hoffnung, dass dieses Fach „einen Beitrag zur positiven Wahrnehmung des Islams in Deutschland leistet und die Integration fördert“, so der niedersächsische Kultusminister und Chef der Kultusministerkonferenz, Bernd Althusmann (CDU). Ein weiteres Ziel sei, die Kinder mit Hilfe des Unterrichts in die Lage zu versetzen, nicht nur zu glauben, sondern ihre Religion auch zu reflektieren.

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