Bildung ist der Schlüssel zur Integration

Immer mehr Migrantenfamilien legen gesteigerten Wert auf die Bildung ihrer Kinder – denn sie bestimmt den sozialen Aufstieg.

Bildung ist eine der wichtigsten sozialen Fragen des 21. Jahrhunderts. Sie bezieht sich nicht nur auf die allgemeine Schulbildung und formelle Berufsausbildung, sondern ebenso auf berufliche Weiterbildung und kontinuierliches selbst gesteuertes Lernen. Ihre gesellschaftliche Bedeutung lässt sich – wie für die meisten anderen modernen europäischen Gesellschaften – auch für Deutschland an der Gleichzeitigkeit von Bildungsexpansion und sozialer Ungleichheit von Bildungschancen bemessen.

So hatte die, in Deutschland bereits in den 1950er Jahren einsetzende, sich in den 1960er Jahren beschleunigende und bis in die jüngste Gegenwart andauernde Bildungsexpansion zu einer zunehmenden Bildungsbeteiligung in allen Sozialschichten geführt. Zu einem Abbau der Chancenunterschiede zwischen den Schichten ist es aber kaum gekommen. IGLU und PISA hatten bestätigt, dass es in keinem anderen Land einen so straffen Zusammenhang zwischen der sozialen Stellung und dem Schulerfolg der Kinder gibt wie in Deutschland. Dies gilt für die deutschen genauso wie auch für die Migrantenkinder.

So bringen die Migrantenkinder häufig sehr nachteilige Voraussetzungen für den Besuch von Schulen und Hochschulen mit. Obwohl seit den 80er Jahren eine gewisse Verbesserung der Situation eingetreten ist, haben diese nach wie vor besonders schlechte Bildungschancen. Die Bildungsabstände zwischen deutschen und ausländischen Schülern im allgemeinbildenden Schulsystem wachsen weiter. Dennoch, so zeigen neue Ergebnisse zum Einfluss des Migrationsstatus auf die Übergangsquote in den Hochschulbereich, ist die Quote von Studenten aus Arbeiterfamilien bei Migranten höher als bei solchen ohne Migrationshintergrund.

Zwar ist auch hier das Herkunftsmilieu ein entscheidender Einflussfaktor, allerdings ist die Übergangsquote der Studienberechtigten aus nichtakademischen Migrantenfamilien, zu denen zum großen Teil auch Studienberechtigte aus dem türkischen Migrationskontext stammen, höher als bei Studienberechtigten
aus deutschen, nichtakademischen Milieus. Es kann also eine Ausdifferenzierung der Migranten in Mittel- und Unterschicht beobachtet werden.

Für den sozialen Aufstieg spielt allerdings nicht der ökonomische Hintergrund, sondern der Bildungswille der Familie die wesentliche Rolle. Die Gastarbeiter der ersten Generation hatten in der Türkei nicht die Möglichkeit, den sozialen Aufstieg über Bildung zu schaffen. Immer mehr Migrantenfamilien wollen nun die verpasste Bildungsexpansion nachholen. Sie schicken ihre Kinder zum teuren Nachhilfeunterricht. Es gibt sogar Familien, die umziehen, um ihr Kind auf eine bessere Schule schicken zu können. Einige türkische Eltern engagieren sich dazu in Bildungsvereinen oder schicken ihre Kinder in Privatschulen oder gründen Privatschulen.

Besonders beliebt sind diejenigen, die von den Ideen Fethullah Gülens inspiriert entstanden sind. Hiervon gibt es mittlerweile über zwei Dutzend. Aber auch Schulen in evangelischer oder freier Trägerschaft sind beliebt. Nicht wenige besuchen auch die staatlichen Europa-Schulen.

So unterschiedlich die Eltern auch sind, sie alle haben eines gemeinsam: Sie wollen, dass ihre Kinder eine bessere Zukunft haben.

Ercan Karakoyun

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