Erdogan kritisiert deutsche Integrationspolitik

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wird am Sonntag eine Rede in Düsseldorf halten. In einem Vorab-Interview mit der "Rheinischen Post" kritisiert er die deutsche Integrationspolitik. An die Bundeskanzlerin appeliert er, einen türkischen EU-Beitritt nicht länger abzulehnen.

Er fühle sich auch für seine Landsleute in Deutschland zuständig, so Erdogan, egal wo „sie sich auf der Welt auch befinden, ich bin der Ministerpräsident aller Staatsbürger der Republik Türkei“.

Auch wenn die Türken in Deutschland die Staatsangehörigkeit ihrer neuen Heimat angenommen hätten, sei es doch in der heutigen Welt Konsens, dass sie ihre Muttersprache und Kultur beibehalten sollen. In diesem Rahmen sei es wichtig, dass auch jene Türken, die einen deutschen Pass besitzen, beides pflegen, und dass man sie dabei unterstütze. Erdogan: „An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass in Frankreich, Holland und einigen anderen EU-Staaten die doppelte Staatsbürgerschaft zulässig ist.“

Bezüglich der auch in der dritten Einwanderer-Generation noch immer existierenden Probleme nimmt Erdogan die deutsche Integrationspolitik aufs Korn: „Falsch war bei der Integration der Türken in Deutschland, dass die deutschen Behörden nicht die Ansichten, Erwartungen und Bedürfnisse der Türken als Zielgruppe berücksichtigt haben. Bis heute beachten die deutschen Behörden in Integrationsfragen auch nicht die Ansichten der zuständigen Behörden in der Türkei. Für eine erfolgreiche Integration halte ich es für erforderlich, dass die deutschen Behörden in Zukunft nicht weiter einseitig handeln, sondern die Kooperation mit den türkischen Migranten, den türkischen Zivilorganisationen und der türkischen Regierung anstreben.“

Zum derzeit stagnierenden Beitrittsprozess der Türkei zur Europäischen Union beklagt der türkische Ministerpräsident, dass „der bisherige Verlauf des Beitrittsprozesses den Eindruck der Diskriminierung erweckt“. Die Türkei werde „gelegentlich sogar nicht einmal mit Ländern gleichgestellt, die gar keine EU-Perspektive haben“. Insbesondere die strengen Visa-Vorschriften für türkische Bürger seien nich hinnehmbar. Sein Appell in Richtung Angela Merkel: „Die Erwartung der türkischen Bevölkerung ist, dass Deutschland wie schon unter früheren CDU-Regierungen innerhalb der EU eine Vorreiterrolle bei den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei einnimmt.“

Das vollständige Interview finden Sie unter rp-online.de

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