Erdogan: Integration ja, Assimilation nein

Vor 11.000 begeisterten Fans forderte der türkische Premier Recep Erdogan die Türken in Deutschland auf, sich zu integrieren - sich jedoch gegen Assimilierungsversuche zu wehren. Für die Deutschtürken mit der "Blauen Karte" kündigte er an, dieses Dokument künftig aufwerten zu wollen.

Der türkische Regierungschef Recep Erdogan ist in Düsseldorf von 10.000 Besuchern mit großem Jubel empfangen worden. Erdogan warnte in seiner Rede von zunehmender Ausländerfeindlichkeit und Islamphobie. Eine solche Entwicklung werde in der Türkei „mit großer Beunruhigung“ betrachtet, sagte Erdogan. Deutsche Politiker sollten diese Feindlichkeit mit ihren Äußerungen „nicht weiter aufbauschen“. Vielmehr müssen wir „gegenseitig versuchen, uns zu verstehen“, sagte Erdogan.

Auch eine zunehmende negative Stimmung gegen den Islam kritisierte der türkische Premier. „Islamphobie ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, genauso wie Rassismus.“. Sowohl die Mehrheit in Deutschland als auch die türkische Minderheit müsse einander respektieren.

Turkish Press fasst Erdogans Rede zu dem Thema zusammen: „Von den Landsleuten in Deutschland forderte Erdogan die Integration. Vor Jahrzehnten hätten Türken Düsseldorf zum ersten mal gesehen. Eine Großstadt die mit ihrem Dorf in der Türkei nichts gemein hatte. Man habe sich in bestimmte Viertel begeben, um Gleichsinnte um sich zu haben. Diese Dorfmentalität habe damals funktioniert, aber heute könne das nicht fortgeführt werden. „Die Integration muss stattfinden“, sagte Erdogan und forderte von türkischen Familien, dass die türkischen Kinder in weiterführende Schulen gehen, Ärzte und Ingenieure werden, Deutsch lernen und natürlich wenn erwünscht, auch die türkische Sprache erlernen. „Das ist die Zukunft, die ich mir von türkischen Familien in Deutschland vorstelle. Integration muss erfolgen, zu unserem und dem Frieden innerhalb der Deutschen Gesellschaft“, sagte Erdogan unter Beifall der Landsleute. Erneut bekräftige Erdogan in seiner Rede, dass die Assimilation unmenschlich ist. Die Türken sollten ihre Kultur und Sprache beibehalten, wenn sie es denn wünschen. Keiner dürfe mit Maßnahmen dazu genötigt oder gedrängt werden, seine Herkunft zu leugnen. Sehr wahrscheinlich werde die Presse das erneut anders formulieren, aber er stehe zu seiner Aussage und kümmere sich nicht um ihre Auslegung: Integration ja, Assimilation nein! Über die Türken die als Arbeitnehmer kamen und als Arbeitgeber immer mehr an Bedeutung gewinnen, sagte Erdogan. Er freue sich über jeden Türken, der sich als Unternehmer betätigt und an der Deutschen Wirtschaft teilnimmt.“

Erdogan sagte den in Deutschland lebenden Türken Unterstützung und Schutz aus ihrer Heimat zu. Er kündigt an, das es weitere Rechte für türkischstämmige deutsche Staatsbürger geben soll, die in Besitz der sogenannten „blauen Karte“ sind.

Erdogan kündigte an, den rechtlichen Status ehemaliger türkischer Staatsbürger zu verbessern. So soll die bereits existierende „Blaue Karte“ (Mavi Kart), mit der ehemaligen türkischen Staatsbürgern aufenthaltsrechtliche oder erbrechtliche Privilegien gewährt werden, aufgewertet werden. „Wir werden die ‚Blaue Karte‘ als ein Ausweispapier anerkennen und es Euch somit leichter machen, Behördengänge und Bankgeschäfte zu erledigen“, sagte Erdogan.

Derzeit verlangt das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht von Deutsch-Türken, die sich in Deutschland einbürgern lassen, zugleich ihren türkischen Pass aufzugeben. Lediglich für Kinder und Jugendliche gilt eine zeitlich begrenzte Sonderregelung.

Auch um die aus Libyen geretteten Türken will er sich kümmern.

„Auch sie sind unter der Garantie eines großen Staates, der Türkischen Republik. Wir sind mit all unseren Möglichkeiten da und unterstützen sie, schützen sie“, rief Erdogan in der Veranstaltungshalle ISS Dome. Am Montag eröffnet Erdogan in Hannover zusammen mit Merkel die Computermesse CeBIT, bei der die Türkei das Partnerland ist.

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