Die letzte Schlacht?

In einzelnen Städten sind massive Kämpfe ausgebrochen. Es soll bereits zahlreiche Tote gegeben haben. Libyens UN-Botschafter Abdurrahman Mohamed Shalgam fordert Gaddafi auf zu gehen. Am späten Nachmittag gibt es ein erstes Youtube-Video aus Az Zawiya.

Eine Chronologie der Ereignisse:

In der Hafenstadt Brega sollen bereits Kämpfe ausgebrochen sein. Am späten Vormittag meldet Al Jazeera Blog von einem neuerlichen Bombenangriff der libyschen Luftwaffe auf Rebellenstellungen in der Stadt Ajdabiyah. Am Mittag meldet sich dann allerdings ein Twitterer zu Wort: Der meint, dass ein Sandsturm über Ajdabiyah und Brega hinwegfege. Das dürfte neuerliche Angriffe erschweren.

Unterdessen ist die Lage in der libyschen Hauptstadt Tripolis noch relativ ruhig. Libysche Sicherheitskräfte hindern ausländische Journalisten jedoch daran, ihre Hotels zu verlassen, um über die erwarteten Proteste nach dem Freitagsgebet zu berichten. Ein Regierungssprecher erklärte, ihre Präsenz in den Straßen könnte Auslöser für Gewalt sein. „Dies sind außergewöhnlichen Umstände. Ich weiß, Sie werden darüber berichten und drehen“, so der Sprecher Mussa Ibrahim. Man werde ein Auge auf sie haben.

Gegen 13 Uhr Ortszeit meldet sich Al Jazeera-Reporter Evan Hill via Twitter. Er schreibt: „Der Ruf zum Gebet hat in Benghazi unter regnerischen, windigen Bedingungen begonnen. Demonstrationen danach erwartet.“

Regime versucht Medien unglaubwürdig zu machen

Gaddafis Sohn versucht derweil gegenzusteuern. Mit einer Reporterin von Sky News war er in Tayura einem Stadtteil von Tripolis unterwegs, um die Berichte über massive Zerstörungen durch die Luftwaffe zu widerlegen.

http://www.youtube.com/watch?v=7dhWWICtvZo&feature=player_embedded

Über den Blog „The Libyan Youth Movement“ ist mittlerweile ein Livestream eingerichtet. Von hier aus kann das Geschehen in Benghazi verfolgt werden.

Um 14.03 Uhr heißt es dann: „BREAKING: Checkpoints set up to stop protesters coming into Tripoli„. Kurz zuvor war es zu heftigen Zusammenstößen in der Stadt Ras Lanuf sowie in Al Sawija im Westen des Landes gekommen.

Unterdessen werden die Menschen während einer Kundgebung in der ostlibyschen Stadt Al Badya bereits auf einen alles entscheidenden Kampf eingeschworen. Der Ex-Justizminister Mustafa Abdel Jalil, Vorsitzende des „Libyschen Nationalrats“, verkündet: „Wir geben nicht auf. Sieg oder Tod. Wir werden nicht aufhören, bis das ganze Land befreit ist … die Zeit der Heuchelei ist vorbei.“

Ausschreitungen fordern erste Todesopfer

Solidarität mit dem libyschen Volk gibt es von der Facebookseite „We are all Khaled Said„, die die kürzlichen Aufstände in Ägypten maßgeblich begleitet hat. Dort ist aktuell zu lesen: „Our hearts & minds are with Libyans who are standing up for their freedom & basic human rights against the dictator that has been torturing & killing them for 42 years“

Der Blog „Libya Feb 17“ meldet um 14.19 Uhr von ersten Toten bei Zusammenstößen: „BREAKING: Revolutionaries kill 12 Pro-Gaddafi soldiers in Az Zawiya (…) Eyewitness confirms 10 killed from the revolutionaries and 12 from the pro-Gaddafi side“.

Die Auseinandersetzungen breiten sich aus. So gäbe es nun auch Ausschreitungen in Al Agela. Libysche Kampfjets haben außerdem erneut Angriffe in der Umgebung der Öl-Stadt Al-Brega geflogen. Auch Panzer und Hubschrauber sollen zum Einsatz gekommen sein. Darüber hinaus sollen 50 Söldner in Nalut verhaftet worden sein.

Demonstrationen in Tripolis von Angst und Gewalt begleitet

Wie die New York Times berichtet, strömten die Protestanten  zu Tausenden aus den Moscheen von Tripolis. Nun würden sich die Menschenmassen aus Angst vor Repressalien zunehmend ausdünnen. Nur einige Hundert harrten weiter aus. Ein Augenzeuge erklärt: „Ich denke, die Leute wissen, dass sie, wenn sie jetzt protestieren, getötet werden. Die Menschen in Tripolis warten auf jemanden, der ihnen zu Hilfe eilt.“ Er betont: „Es ist leicht, hier niemanden zu töten. Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen. “

In Tayura scheint sich die Lage unterdessen zu zuspitzen. Es wird von einer großen Präsenz an Panzern berichtet. Darüber hinaus seien 6000 bis 7000 gut bewaffnete Revolutionäre in Richtung Ras Lanuf unterwegs.

Um kurz vor 15 Uhr dann die Meldung aus Tripolis. Die Polizei setzt Gewalt ein, um die Demonstranten zu zerstreuen. Wie der Blog „Libya Feb 17“ nun weiter berichtet, sei hierbei auch  Tränengas zum Einsatz gekommen.

Um 15.03 Uhr dann erneut: „ BREAKING Eyewitness to Al Jazeera: More than 50 killed and hundreds wounded in Az Zawiya clashes so far.“

Tausende verlassen Libyen

Während die eine protestieren, fliehen bereits Tausende in Richtung Tunesien. Vor den Checkpoints haben sich lange Schlangen gebildet. Die Menschen berichten davon, dass ihnen die Mobiltelefone abgenommen wurden.

http://www.youtube.com/watch?v=uw0LpFK57fY

„Gaddafi, you are over. Go away.“

Libya Feb 17“ veröffentlicht eine Ansprache von Libyens UN-Botschafter Abdurrahman Mohamed Shalgam. Dieser sagt auf Al Jazeera: „Gaddafi, you are over. Go away. There is no more room for you here. Libyans are not in a revolution. They are in a liberation war. Libyans in the Gaddafi battalions are constantly joining the protesters every time they meet with them.“

„Eine organisierte Medienkampagne gegen Libyen“

Der TV-Sender Al Jazeera veröffentlicht in Kürze (15.30 Uhr) das vollständige Interview mit Saif Gaddafi. Er beschuldigt den Westen lediglich hinter Libyens Öl her zu sein. Den Medien wirft er vor, die Berichterstattung unverhältnismäßig groß aufzublasen. Weiter gibt er sich gegenüber dem Ausland selbstbewusst: „Nato, EU, USA – Wir beachten sie gar nicht.“

Hier die Preview:

Heftige Zusammenstöße in Tripolis

In der libyschen Haupstadt ist es zu Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern Gaddafis gekommen. Vor einer Moschee in der Innenstadt sollen nach dem Freitagsgebet mehr als tausend Regimegegner und Gaddafi-Anhänger mit Fäusten aufeinander los gegangen sein. Noch blieben die Sicherheitskräfte auf Abstand und würden lediglich in die Luft feuern.

In Az Zawiya kam es jetzt zu einem Stopp. Viele wurden getötet. Unter ihnen auch Oberst Hussain Darbook.

Kopfgeld auf Gaddafi ausgesetzt

Mittlerweile haben Geschäftsleute aus Misratha ein Kopfgeld auf Gaddafi ausgesetzt. Im Falle seiner Ergreifung werden 25 Mio. US-Dollar ausbezahlt. Für die Köpfe seiner Söhne gilt Ähnliches. Sie sind den Anbietern 20 Mio. US-Doller wert.

15.45 Uhr: Angeblich soll eine Ölanlage in Sueitina – südlich von Bengasi –  in Flammen stehen. Derweil wird auf Twitter gemeldet: „RT @SaloumehZ: RT @N_Benghazi CONFIRMED on Al Jazeera: 50+ dead, 300 injured during the massacre of Zawiah today #libya

Vorbereitungen für die Zeit nach Gaddafi

In Benghazi bündeln sich die Kräfte, um sich auf die Zeit nach dem Sturz des Machthabers Gaddafi vorzubereiten. Schon jetzt werden Netzwerke gebildet, um im Falle einer Befreiung Tripolis‘ schnell handeln zu können. Sie sind sich sicher: „Das Volk braucht Sicherheit.“ Wenn man Gaddafi los sei, könne man sich endlich vereinigen, um eine „echte Regierung“ zu bilden und Wahlen abzuhalten.

Unterdessen meldet sich der Blog „Libya Feb 17“ erneut zu Wort. Dort ist um 16 Uhr MEZ zu lesen: „BREAKING: Ras Lanuf is now in the hands of the revolutionaries!“

Erste Bilder aus Az Zawiya

Gegen 17 Uhr MEZ berichtet die New York Times, dass Gaddafi-Anhänger in Tripolis das Feuer auf Demonstranten eröffnet hätten. Ähnliche Szenen hätten sich auch in Az Zawiya, wo die Regimetreuen versuchen, die Herrschaft wieder an sich zu reißen, abgespielt. Hier seien unbewaffnete Zivilisten angegriffen worden.

Mittlerweile haben sich rund 2000 Menschen auf dem zentralen Platz versammelt. Die Demonstranten, die derzeit von zwei Seiten angeriffen werden, verkünden „bis zum Ende“ kämpfen zu wollen. Der Blog „Liby Feb 17“ berichtet, dass es in Az Zawiya am heutigen Freitag bereits acht Tote gegeben hätte.

Darüber hinaus wird um 17.30 Uhr MEZ angekündigt, dass sich Muammar al-Gaddafi per Staatsfernsehen an das Volk wenden will.

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