"Das Ausmaß des Leidens und der Schäden ist nicht fassbar."

Nach den dramatischen Ereignissen in Japan hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstagabend eine Krisensitzung im Kanzleramt einberufen. Neben Außenminister Guido Westerwelle und Innenminister Hans-Peter Friedrich waren auch Umweltminister Norbert Röttgen zugegen. Sie stellte heraus: "Atomkraft ist nur eine Brückentechnologie"

Um kurz vor 19.00 Uhr ist Bundeskanzlerin Angela Merkel vor die Presse getreten. Zuvor war schon über die Themen an diesem Samstagabend spekuliert worden: Welche Konsequenzen hat Fukushima für Deutschland? Was kann man tun, um Japan zu helfen? Einen radikalen Kurswechsel hat es, wie erwartet, nicht gegeben.

Merkel zeigte sich in ihrer Ansprache zutiefst bestürzt. Urgewalten der Natur haben eines der höchstentwickelten Länder in die Katastrophe gestürzt.

Demut vor der Natur

Vieles würde Deutschland erst in den kommenden Tagen erfahren. Jetzt sei jedoch bereits klar: Es gäbe über 1000 Tote. Unzählige hätten ihr Zuhause verloren. „Das Ausmaß des Leidens und der Schäden ist nicht fassbar.“

Die Kanzlerin spricht dem japanischen Menschen ihr tiefes Mitgefühl im Namen aller Deutschen aus. „Wir stehen an der Seite Japans. Wir sind dazu bereit zu helfen, wo wir helfen können.“

Die Krisenrunde habe sich, so die Kanzlerin weiter, genau mit der Lage im AKW Fukushima befasst. Das sei eine außergewöhnlich ernste Situation. Sie seien im Kontakt mit der IAEO in Wien. Es ergebe sich aber noch kein klares Bild der Lage. Merkel hofft hier auf die Fähigkeiten der Experten, die Schäden zu begrenzen. Über abschließende innerpolitische Konsequenzen für Deutschland wollte sie jedoch nicht sprechen.

„Nach menschlichem Ermessen ist es nicht vorstellbar, dass Deutschland davon betroffen werden könnte“, stellt sie heraus. Die Sorge der Menschen hierzulande könne sie jedoch nachvollziehen. „Das, was wir aus den Abläufen in Japan lernen können, das werden wir lernen.“

„Die Geschehnisse in Japan sind ein Einschnitt für die Welt!“

AKWs als Brückentechnologie hält sie allerdings weiter für verantwortbar. In der Frage der Sicherheit dürfe es jedoch keine Kompromisse geben.

Außenminister Guido Westerwelle betont: „Jetzt geht es erst einmal darum, dass wir helfen, dass wir handeln“. Den japanischen Freunden wolle man beistehen.

Etwa 100 Deutsche würden sich noch in der betroffenen Region aufhalten. Insgesamt leben etwa 5000 Deutsche in Japan. Es scheint darunter bisher keine Opfer zu geben. Auszuschließen sei das allerdings nicht. Nicht mit allen konnte bis dato Kontakt aufgenommen werden.

„Für die Bundesregierung hat Sicherheit vorrang vor allem anderen“, betont auch er im Zusammenhang mit möglichen Konsequenzen für deutsche Atommeiler. Das Gelernte aus Japan werde zügig umgesetzt werden.

Angela Merkel, so erklärt Regierungssprecher Steffen Seibert im Vorfeld, werde ständig auf dem Laufenden gehalten. In Anbetracht der drohenden Atomkatastrophe in Japan hatte die Kanzlerin von einer „ungewöhnlichen, außergewöhnlich schwierigen Situation“ gesprochen.

Bereits am Samstagmittag erklärte sie: „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass in einem Kernkraftwerk schwierige Ereignisse stattfinden, wahrscheinlich eine Kernschmelze“, so Merkel auf der Kundgebung zum Landtagswahlkampf in Rheinland-Pfalz. Sie stehe permanent im Kontakt zur japanischen Regierung. Katastrophen-Spezialisten seien bereits auf dem Weg.

Zahlreiche Politiker äußerten in den letzten zwei Tagen ihr tiefes Mitgefühl und haben sofortige Hilfe zugesagt. Unterdessen fordern Atom-Kraftgegner den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Mindestens 60.000 haben heute hierfür demonstriert. Erst vor kurzem wurden die Laufzeiten verlängert.

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