Nur mit perfektem Türkisch ist der Aufstieg in Deutschland möglich

Eine alte, nuancenreiche Kultursprache lernt man nicht mit dem Gameboy in der Hand. Die Türken müssen ihre Sprache gründlich beherrschen. Dann können sie Deutsch lernen und den sozialen Aufstieg schaffen.

Natürlich müssen die Türken in Deutschland zuerst türkisch lernen! Der Wirbel um die Rede von Erdogan in Düsseldorf zeigt wieder einmal, wie wenig die Deutschen von den Türken wissen – Politiker und Medien inklusive. Das Hauptproblem der Türken lautet nämlich: Wie schaffen wir es, die Leute sozial auf den nächsten Level zu holen? Immer noch ist die Schichte der türkischen Bildungsbürger zu klein, der Anteil der Ungelernten zu hoch.

Um aber aus der Ecke des Proletariats rauszukommen, muss man erst mal die Muttersprache in Wort und Schrift beherrschen. Davon sind viele Türken in Deutschland weit entfernt. Viel zu viele sprechen ein Mischmasch aus Türkisch, Dialekt, englischen TV-Brocken und Deutsch. Türkisch ist jedoch die Sprache eines alten Kulturvolkes – hoch entwickelt, ausdifferenziert, nuancenreich. Die lernt man nicht vor dem Fernseher oder beim Gameboy-Spielen. Das hat Folgen: Viele schaffen den Sprung in ein gehobenes soziales Milieu nicht. Der Grund liegt auf der Hand. Nur wer seine Muttersprache beherrscht, kann auch die weiteren Klippen überwinden, die die stets beschwerliche Reise durch das Meer der Bildung mit sich bringt.

Die Türken in der Türkei stehen vor demselben Dilemma. Aber in der Türkei herrscht Konsens, dass Bildung die wichtigste politische und gesellschaftliche Aufgabe ist. Überall engagieren sich Privatleute dafür – über alle weltanschaulichen Grenzen hinweg.

Daher ist ein Weckruf hilfreich – auch wenn er von Erdogan kommt. Erst wenn die Türken ihre Muttersprache fließend beherrschen, werden sie in der Lage sein, auch Deutsch zu lernen. Nur mit Hilfe von perfektem Türkisch wird ihnen der Aufstieg gelingen. Sie werden dann das soziale und intellektuelle Rüstzeug haben, eine zweite komplizierte Sprache zu lernen.

Dabei können ihnen auch die deutschen Politiker helfen: Sie sollten endlich mit dem Unsinn aufhören, Sprache mit nationaler Identität gleichzusetzen. Abgesehen davon, dass kaum ein Vertreter der deutschen Eliten auch nur ein Wort Türkisch kann. Und abgesehen davon, dass kaum einer, der sich jetzt entrüstet zu Wort meldet, Erdogan im Original gehört und verstanden hat: Es ist in Deutschlands eigenem Interesse, dass „seine“ Türken die besten Chancen haben. Wegen der demographischen Entwicklung müssen die Türken zu Leistungsträgern der deutschen Gesellschaft werden. Man will ja nicht auf die afrikanischen Flüchtlingsströme warten, damit diese einmal die deutsche Rentnergesellschaft auffrischen.

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