Assimilation oder Integration? Beides!

Der türkische Premier fordert die Türken in Deutschland gleichzeitig zur Integration und zur Wehr gegen Assimilierungsversuche auf.

Da sind wir bei den beiden Schlüsselbegriffe in der aktuellen Debatte: Assimilation und Integration. Konsens herrscht zumindest so weit, dass die Integration von Einwanderern als im allgemeinen gesellschaftlichen Interesse liegend betrachtet wird. Assimilation hingegen wird meist mit dem negativen Vorzeichen des Drucks versehen und abgelehnt.

Das Ziel von Integrationspolitik muss darin bestehen, allen in Deutschland lebenden Personen gleiche Teilhabechancen zu ermöglichen. Dabei sollte egal sein, welcher Religion oder Ethnie der Einzelne angehört. Auf der einen Seite müssen der Staat und die Aufnahmegesellschaft positive Integrationsbedingungen bieten, andererseits muss sich der Einwanderer aktiv um seine Eingliederung bemühen.

Es sollte eine Entscheidungsfreiheit in Bezug auf mitgebrachte kulturelle Kontexte geben. Jeder muss selber entscheiden können, ob er seine mitgebrachte Kultur eher bewahrend oder eher distanzierend leben will.

Allerdings ist ein gewisses Maß an Assimilation immer Basis einer erfolgreichen Integration. Zu Unrecht wird Assimilation in der politischen Integrationsdebatte nahezu automatisch mit negativen Vorzeichen versehen und oft sogar mit Verdeutschung gleichgesetzt. Selbstverständlich bedeutet Assimilation in gewissem Maße Anpassung an die Aufnahmegesellschaft. Viele Soziologen unterscheiden allerdings zwischen kultureller, struktureller, sozialer und emotionaler Assimilation. Assimilation in Bezug auf Bildung, Deutschkenntnisse, Arbeitsmarkt sind dringend erforderlich, während Heiratsverhalten, Identifikation und Religion tatsächlich jedem selbst zu überlassen sind.

Assimilation bedeutet also nicht, dass Zuwanderer jede herkunftsbedingte Identität aufgeben müssten. Die Mehrheitsgesellschaft muss sich aber die Frage stellen, was von einem Zuwanderer außer Rechtstreue verlangt werden darf. Auf welche Werte können sich in Deutschland lebende Linksliberale, Katholiken, Konservative, Anarchisten, Muslime, Griechen, Punks etc. verständigen? Wie sieht es auch mit zeitlichen Veränderungen aus? Denn auch die deutsche Identität hat sich innerhalb der vergangenen 100 Jahre grundlegend verändert. Auch in der deutschen Bevölkerung existieren fundamentale Unterschiede über das anzustrebende Gesellschaftsbild.

Einigkeit besteht jedoch darin, dass die Gesetze in ihrer Eigenschaft als Gesetz zu respektieren sind. Das Gewaltmonopol des Staates ist anzuerkennen und es ist eine Absage an jede Form der Selbstjustiz zu erteilen. Denn diese darf es im modernen Rechtsstaat nicht geben. Ohne die Bereitschaft, Rechtsnormen des Aufnahmelandes zu befolgen, können moderne Gesellschaften keinen Bestand haben.

In der Wirklichkeit vieler Städte besteht allerdings für viele Jugendliche in den Migrantenquartieren nicht das Problem darin, dass sie ihre eigene Kultur nicht ausreichend entwickeln können, sondern darin, dass sie sich nicht gleichwertig in Arbeitsmarkt und Bildungssystem integrieren können. Wer sich erfolgreich in eine Gesellschaft integrieren will, muss also gewisse Anpassungsleistungen erbringen. Dazu gehören insbesondere das Erlernen der Sprache und die Akzeptanz der Rechtskultur des Aufnahmelandes.

Ercan Karakoyun

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