Die Türkei auf Zelluloid

Eine Filmreihe im Zuge der Aktionswoche gegen Rassismus vom 14. bis 26. März in Berlin bietet die Möglichkeit, kostenlos zwei Filme zu sehen, die sich mit dem Zusammenleben von Deutschen und Türken in Deutschland beschäftigen: "Die Fremde" und "Shahada".

Um einen Blockbuster aus Hollywood zu sehen, kann man in jedes beliebige Kino gehen. Doch wo geht man hin, wenn man einen türkischen Film sehen will? Was nicht jeder weiß: Ganze Filmfestivals widmen sich dem Land am Bosporus. Jedes Jahr findet die türkische Filmwoche in Berlin, das türkische Filmfestival in Frankfurt oder das Filmfestival Türkei/Deutschland in Nürnberg statt. Noch in den 70ern gehörte die Türkei zu den drei größten Spielfilmproduzenten der Welt. Später wurde es um den türkischen Film international gesehen ruhiger. Zweifelhafte Bekanntheit erlangte in Deutschland kürzlich der Streifen „Tal der Wölfe – Palästina“, der letzte Teil der Actionreihe. Der Film löste eine heftige Diskussion über das Thema Antisemitismus aus und wäre beinahe verboten worden. Mit Applaus dagegen wurde der deutlich ruhigere „Bal (Honig)“ von dem türkischen Regisseur Semih Kaplanoglu aufgenommen. Er gewann den Goldenen Bären auf der Berlinale 2010 und wurde so einem großen Publikum bekannt.

Hierzulande verdankt der türkische Film seine Bekanntheit aber hauptsächlich Filmemachern wie Fatih Akin, obwohl sich der gebürtiger Hamburger türkischer Eltern wohl ebenso gut dem deutschen Kino zuordnen lässt. Durch das nicht immer leichte Zusammenleben von Deutschen und Türken in Deutschland und nicht zuletzt durch die von Thilo Sarrazin ausgelöste Integrationsdebatte scheinen Themen wie Identität, nationale Zugehörigkeit und Glaubensfragen auch für den türkischen Film relevant zu werden. Dies zeigt beispielsweise der humorvolle Beitrag auf der diesjährigen Berlinale „Almanya – willkommen in Deutschland“, der am 10. März in den deutschen Kinos anläuft. Er erzählt die Geschichte mehrerer Generationen einer türkischen Familie in Deutschland. Zwei weitere türkische Filme, die das Leben von Muslimen in Deutschland thematisieren, kann man nun kostenlos im Rahmen der Aktionswoche gegen Rassismus vom 14. bis 26. März in Berlin sehen. Der Verein Gesicht zeigen! lädt zur internationalen Filmreihe ein, bei der auch die jeweiligen Regisseure anwesend sein werden, um Publikumsfragen zu beantworten.

„Die Fremde“ von der Regisseurin Feo Aladag wurde international ausgezeichnet, unter anderem mit dem Preis für den besten Spielfilm und die beste Schauspielerin (Sibel Kekilli) beim Tribeca Film Festival in New York. Sibel Kekilli konnte auch beim Deutschen und Europäischen Filmpreis als beste Schauspielerin überzeugen. Im Film flieht sie als junge Mutter mit ihrem Sohn von Istanbul nach Berlin.  Dort muss sie zwischen zwei Wertesystemen um ein selbstbestimmtes Leben kämpfen. „Shahada“ ist nicht nur die Bezeichnung für das Glaubensbekenntnis im Islam, sondern auch der Abschlussfilm des Regisseurs Burhan Qurbani an der Filmakademie Baden-Württemberg. Auch dieser Film wurde international mit mehreren Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Filmkunstpreis beim Festival des deutschen Films 2010 in den Kategorien Originellste Darstellungsform und Originellstes Thema. Er handelt von drei jungen Muslimen in Berlin, die während des Fastenmonats Ramadan in Lebenskrisen geraten, die ihr bisheriges Werte- und Glaubenssystem auf eine harte Probe stellen.

Näheres zum Programm und weiteren Veranstaltungen in verschiedenen Städten finden Sie hier

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