Auch die Hugenotten gehören nicht zu Deutschland

Der neue Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) kann niemandem vorschreiben, was er zu glauben hat.

Seit etwa 50 Jahren ist der Islam in Deutschland ein sichtbares Religionsbekenntnis. Auf den Straßen in den Großstädten sieht man Frauen mit Kopftüchern, Moscheen und Halal-Imbisse. Nach aktuellen Daten einer Erhebung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (2009) für die Deutsche Islamkonferenz wird die Zahl der Muslime auf 4 bis 4,5 Mio. geschätzt.

Hans-Peter Friedrich war noch keine 24 Stunden Innenminister, als er sagte: Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Dass er dazu gehöre, habe ihm noch niemand beweisen können. Der Bundesinnenminister sollte in Berlin, Frankfurt, München, Dortmund und Köln auf die Straße gehen und sich anschauen, wer hier lebt. Es sind Menschen, die seit einem halben Jahrhundert ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben und ihn auch in Zukunft hier haben werden. Deshalb gehört der Islam zu Deutschland. Wenn er damit allerdings ausdrücken will, dass der Islam hier nichts verloren hat, bleibt nur übrig, ihn auf unser Grundgesetz hinzuweisen, das allen Menschen die Glaubens- und Bekenntnisfreiheit garantiert. Er wird die Menschen also niemals daran hindern können, an das zu glauben, was sie wollen.

Wenn er damit sagen will, dass der Islam historisch nicht zu Deutschland gehört, so darf man sich nicht verwundern, wenn andere auf die Idee kommen zu sagen, dass auch die Hugenotten nicht zu Deutschland gehören. Denn die erste Einwanderung von Hugenotten nach Deutschland war um das Jahr 1685, als 50.000 Hugenotten nach Deutschland flohen. Etwa 20.000 davon ließen sich in Brandenburg-Preußen nieder, wo Kurfürst Friedrich Wilhelm ihnen mit dem Edikt von Potsdam besondere Privilegien gewährte. Wenige Jahre später schon wanderten die ersten muslimischen Tataren aus ihren Siedlungsgebieten in Ostpolen nach Deutschland ein, um in der Armee des Königreiches Preußen zu dienen. Sie waren fromme Muslime, daher wurde für sie am Langen Stall in Potsdam im Jahre 1732 ein Saal als Moschee hergerichtet. Dies war der erste islamische Gebetsraum auf deutschem Boden.

Die Debatte über die Eingliederung und Zugehörigkeit des Islam gibt es also nicht erst seit 1965. Sie fängt im 17. Jahrhundert an. Man kann die Geschichte des Islam in Deutschland nämlich bis in die Regierungszeit des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. zurückverfolgen. Dieser legte sogar großen Wert darauf, dass die Muslime ihren religiösen Pflichten nachgehen konnten. Der Rechtsstatus der islamischen Gemeinde im Königreich Preußen gründet sich auf die Zusage des Königs, dass das Haus Hohenzollern „die islamische Religion und ihre Ausübung schützen und die den moslemischen Untertanen angestammte Lebensform sichern“ (Islam Archiv Deutschland, A V II/0 Soest) werde. Es handelt sich also um ein Königswort.

Hugenotten gibt es demnach seit ca. 300 Jahren und Muslime seit ca. 280 Jahren. Das ist eine lange Zeit. Die Aussage unseres Bundespräsidenten „Der Islam gehört zu Deutschland“ hat Türen in aller Welt aufgestoßen und war richtungsweisend: Sowohl in Deutschland als auch in der Türkei. Denn nur wenige Zeit später hatte der türkische Präsident erklärt: „Das Christentum gehört zur Türkei“. Dies ist also eine Grundlage für einen respektvollen Dialog. Die Aussage des neuen Bundesinnenministers zeigt vor allem eins: Deutschland war 280 Jahre vorher schon weiter. Es geht rückwärts und das ist schädlich für Deutschland.

Ercan Karakoyun

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