Japans Regierung spricht von Kernschmelze

In zwei Reaktorblöcken des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima 1 ging die japanische Regierung erst von einer Kernschmelze aus, der Regierungssprecher Edano gab aber zu einem späteren Zeitpunkt an, es habe keine Kernschmelze gegeben und die Bevölkerung sei trotz erhöhter radioaktiver Strahlenwerte nicht in Gefahr. Entwarnung oder gezielte Vertuschung, das ist bislang unklar.

Nach Angaben der Regierung ist es im Kraftwerk Fukushima I in zwei Reaktoren wohl zu einer Kernschmelze gekommen. Block 1 und 3 des Kraftwerks werden mit Meerwasser gekühlt, nachdem die Brennstäbe wegen nicht funktionierender Kühlsysteme schon teilweise freilagen. Am Samstag war das Gebäude von Block 1 explodiert. Jetzt versuchen die Kraftwerksbetreiber eine ähnliche Explosion in Block 3 zu verhindern. Auch hier bildete sich in Folge der freiliegenden Brennstäbe Wasserstoff. Wegen defekter Überdruckventile an dem Reaktor wissen die Techniker momentan noch nicht, wieviel Wasser die Brennstäbe noch umgibt. Als sicher gilt nur: Der Druck steigt. Rund um das AKW Onagawa in der nordöstlichen japanischen Provinz Miyagi ist unterdessen eine 400 Mal höhere Radioaktivität als normal gemessen worden. Mehr dazu hier.

Später am Tag nahm Regierungssprecher Edano seine eigenen Aussagen zurück, wonach eine „geringe Kernschmelze“ im Akw Fukushima nicht auszuschließen sei. Nun gab er an, es habe im Reaktor 3 keine Kernschmelze stattgefunden. Trotz erhöhter radioaktiver Strahlungswerte im Kraftwerk bestehe keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung.

Die Zahl der bei dem Erdbeben und dem nachfolgenden Tsunami ums Leben gekommenen Menschen wird inzwischen auf über 10.000 geschätzt. Die Stärke des Bebens wurde von 8.9 auf 9.0 auf der Richterskala nach oben korrigiert.

Über 300.000 Menschen in Flüchtlingslagern

Ministerpräsident Naoto Kan sieht in der Erdbebenkatastrophe die größte Krise des Landes seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Probleme in den Atomanlagen unterschieden sich aber grundlegend von der Katastrophe im ukrainischen Tschernobyl, wo vor 25 Jahren das Atomkraftwerk explodierte.

Der japanische Fertignudelproduzent Nissin schickt eine Million Lebensmittelboxen in die Flüchtlingslager, außerdem mobile Gasküchen und Trinkwasser. Insgesamt sind es, so der Sender NHK, bislang 310.000 Menschen, die in den Lagern Zuflucht finden.

Die Benzin- und Stromversorgung im Katastrophengebiet kann nicht mehr gewährleistet werden. Viele Menschen sitzen deshalb fest und schlafen in ihren Autos. Derzeit werden 1000 Todesopfer verzeichnet, 12000 Menschen konnten aus den Trümmern ihrer Häuser gerettet werden, über 600.000 Menschen haben sich in Gemeindezentren und Schulen geflüchtet, wo sie so gut es geht versorgt werden.

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