Gülen-Bewegung als Brücke zwischen den Kulturen

Die freie Autorin Elisabeth Kiderlen bricht in einem Beitrag für die "taz" eine Lanze für die Gülen-Bewegung. Dass vor allem Deutschlands untere türkische Mittelschicht bereit sei, "ein nicht zu knappes Schulgeld für die Zukunft ihrer Kinder zu investieren", zeige: "Der Wunsch nach 'Bildung, Bildung, Bildung' ist heute auch im konservativen, religionsfreundlichen türkischen Milieu angekommen."

Die nach dem in den USA ansässigen muslimischen Prediger und Islamgelehrten Fethullah Gülen benannte Bewegung hat Privatschulen in aller Welt gegründet. Für die freie Autorin Elisabeth Kiderlen ist sie „eine Wertegemeinschaft, die eine Brücke zwischen der bäuerlichen, traditionsverbundenen Herkunft vieler türkischer Migrantenfamilien und der modernen säkularen Welt schlägt, mithin eine konservative Modernisierungsbewegung.“

Der erklärten Gegnerin der Gülen-Bewegung, Necla Kelek, die Gülen-Bewegung sei eine „Sekte mit Konzernstrukturen“, hält Kiderlen in ihrem Beitrag entgegen: „Sieht so eine Sekte aus? Die Unterrichtssprache an den Gülen-Schulen ist selbstverständlich Deutsch. In den Gymnasien wird Englisch als erste Fremdsprache angeboten, als zweite Fremdsprache kann Türkisch oder Französisch gewählt werden. Religion wird in den Schulen nicht unterrichtet.“ Wer sich näher mit der Thematik der Gülen-Bewegung beschäftigen will, dem empfiehlt Kiderlen die Lektüre des Buches „Muslime zwischen Tradition und Moderne. Die Gülen-Bewegung als Brücke zwischen den Kulturen“ (Herder-Verlag), eine Sammlung von Vorträgen, die 2009 auf der gleichnamigen Konferenz in Potsdam gehalten wurden.

Das Resümee der Autorin fällt entsprechend positiv aus: „Bei dem Besuch der Schulen wie bei der Lektüre des Sammelbands entfaltet sich ein optimistisches Bild: Weil die Gülen-Bewegung konservativ und religionsfreundlich ausgerichtet ist, spricht sie auch diejenigen an, die sich bislang der säkularen Moderne verweigerten – und das sind häufig die Eltern der heutigen Schüler und Schülerinnen. Weil diese Schulen die realistische Möglichkeit eines gelingenden Abschlusses in Aussicht stellen, tragen sie auch viel zum Zugehörigkeitsgefühl des Einzelnen bei. Denn von der Hoffnung, in dieser Gesellschaft einen Platz zu finden, hängt auch der Wille und die Möglichkeit zur Integration ab.“

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