Islamkonferenz: Der nächste Löscheinsatz für Angela Merkel?

Es brodelt bei den deutschen Muslimen. Die Aussagen des neuen Innenministers Hans-Peter Friedrich haben deutliche Spuren hinterlassen. Dies könnte auch Auswirkungen auf die Islam-Konferenz haben.

Hinter verschlossenen Türen beraten die verschiedenen Organisationen, wie sie sich verhalten sollen. Es gibt Stimmen, die sagen, man sollte die ganze Veranstaltung boykottieren. Andere wiederum sagen: Es hat 50 Jahre gedauert, ehe so ein Forum das Licht der Welt erblickte. In gewisser Weise sei die schiere Existenz der Islamkonferenz schon ein Zeichen der Wertschätzung.

Man muss den Großmut der Muslime wirklich bewundern. Sie waren vom Ausritt Friedrichs sichtlich überrascht – mindestens ebenso wie von seiner Kehrtwende, als er einige Tage später seine krude Aussage wieder zu relativieren suchte. Überraschungen sind wir gewöhnt, sagen die Muslime und erinnern daran, dass seinerzeit niemand damit gerechnet hatte, dass ausgerechnet Wolfgang Schäuble die Initiative zur Islamkonferenz übernehmen würde und dieses Thema mit großer Ernsthaftigkeit und Respekt auf den Weg brachte.

Die meisten muslimischen Organisationen wissen, dass die volle Anerkennung Zeit braucht. Und öffentliche Aufmerksamkeit: In dieser Hinsicht ist die Islamkonferenz auf jeden Fall sinnvoll. Allerdings: Am Ende werden alle Beteiligten Ergebnisse sehen wollen. Diese Ergebnisse werden vor allem eines bringen müssen: Rechtssicherheit. Der Islam befindet sich auf dem langen Weg, in Deutschland zur anerkannten Religionsgemeinschaft zu werden. Um als solche in der Gesellschaft wirklich angekommen zu sein, sind sehr profane Themen abzuhandeln: Religionsunterricht, Ausbildung der Theologen, Berechenbarkeit auf der organisatorischen Ebene. Es ist ja schon grotesk: Wir können gar nicht sagen, wie viele Muslime es in Deutschland gibt. Weil sie keine anerkannte Religionsgemeinschaft sind, müssen sie ihr Kreuzchen bei den einschlägigen behördlichen Formularen unter „sonstige“ machen.

Viele bezweifeln, dass der neue Innenminister in der Lage und willens ist, für all diese komplizierten Themen das Vertrauen der Muslime zu gewinnen. Daher wird, wenngleich noch hinter vorgehaltener Hand, der Ruf nach der höchsten Instanz laut. Ob diese sich allerdings nach der Atomkatastrophe das nächste hochexplosive Gut ins Kanzleramt holen wird, könnte ein frommer Wunsch der Muslime bleiben.

Michael Maier

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