Nach Fukushima: Wirtschafts-Ethik muss neu buchstabiert werden

Warum es überhaupt kein Know-How gibt, wie man die Lage in den Griff bekommen kann.

Die Atomwirtschaft ist ein systemisches Risiko für die Welt. Sie ist skrupellos und schreckt für den maximalen Profit vor nichts zurück. Der Super-GAU von Japan ist keine Überraschung: Seit Jahren ist bekannt, dass das Kraftwerk auf einer Erdbebenlinie liegt. Seit Jahren gibt es im Werk Störfälle, die stets als „Reparaturen“ getarnt wurden. Die japanische Atomlobby ist seit Jahrzehnten für Rücksichtslosigkeit und Korruption bekannt. Vor allem aber: Seit der Etablierung der Kernenergie geben ihre Verkäufer keine Antwort auf die Frage nach dem Risiko. Und zwar weltweit nicht!

Was wir sehen, wenn der GAU tatsächlich eintritt: Hilflose Versuche, mit Feuerwehrschläuchen die Nuklearkatastrophe zu beenden! Wo ist denn die internationale Eingreif-Truppe der Atomwirtschaft, die sich – im globalen Verbund – überlegt hat, was im „Worst Case“ zu tun ist? Wo sind die Amerikaner, Franzosen, Russen oder Chinesen? Tatsache ist: Es gibt überhaupt kein Know-How, wie man die Lage in den Griff bekommen kann.

Statt sich darum zu kümmern, haben die Atomlobbyisten nämlich in den Hinterzimmern der Politik getrickst. Die Politik ist ihnen, wenig überraschend, auf den Leim gegangen. Völlig unnötig allerdings. Denn im Fall der AKWs gab es in vielen Ländern ein „gesundes Volksempfinden“. Widerstand, Kritik, Ängste. Artikuliert auf Demos, im Internet oder bei Volksabstimmungen: Österreich kann sich rühmen, mit Zwentendorf das einzige AKW der Welt gebaut zu haben, dass niemals in Betrieb gegangen ist. Den Österreichern hilft das wenig: Mit Temelin und Krsko liegen zwei Schrottwerke in unmittelbarer Grenznähe. Die liegen auch nicht sehr weit von München, Stuttgart und Zürich.

Die Finanzkrise hat gezeigt: Wenn sich eine ganze Industrie der Kontrolle und Transparenz entzieht, stürzt sie die Welt in den Abgrund. Die gesamte Wirtschaft wird künftig in anderer Weise Rechenschaft für ihr Tun ablegen müssen als bisher. Corporate Social Responsibility muss einklagbar werden. Wo dies wegen zu großer Komplexität nicht mehr möglich ist, darf es kein Geschäft mehr geben. Die Katastrophe von Japan zwingt uns, Wirtschafts-Ethik neu zu buchstabieren.

Michael Maier

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