Atomfirma zögerte bei Löschung, um ihr Investment zu retten

Unglaublich, aber wahr: Die Katastrophe im AKW Fukushima geriet auch deshalb so extrem außer Kontrolle, weil die Betreiberfirma den Einsatz von Meerwasser um einen Tag verzögerte – um den Sachschaden am AKW gering zu halten.

Nach einem Bericht des Wall Street Journal hat der Kraftwerksbetreiber Tokyo Electric Power (Tepco) des AKW Fukushima erst Meereswasser zur Kühlung verwendet, nachdem dies nach einer Explosion vom japanischen Premierminister angeordnet wurde. Bereits am Samstagmorgen in der vergangenen Woche soll Tepco überlegt haben, die Brennstäbe mit Meerwasser zu kühlen. Dies geschah jedoch nicht, weil die Betreiber Angst um Sachschaden an ihrem Investment hatten.

So verging ein wertvoller Tag, an dem sich die Brennstäbe weiter aufheizten. Erst am nächsten Tage beugten sich die AKW-Bosse schließlich der Anordnung der Politik. Experten sagten dem WSJ, dass der Einsatz von Meerwasser ein AKW permanent unbrauchbar machen kann. „Sie zögerten, weil sie ihre Assets schützen wollten“, sagte Akiro Omoto, ein ehemaliger Tepco-Mitarbeiter dem Journal. Anfangs wäre das auch verständlich gewesen, weil die Brennstäbe noch vom normalen Kühlsystem gekühlt wurden. Ein Sprecher von Tepco sagte, man habe die Sicherheit des ganzen AKW im Blick gehabt, als man zu entscheiden hatte, ob man Salzwasser zur Kühlung verwenden solle. „Das Desaster ist zu 60% menschliches Versagen“, sagte ein Regierungssprecher: „Sie haben in ihrer ersten Reaktion versagt. Es ist als hätte Tepco eine 100-Yen-Münze verloren, während sie ein 10-Yen-Münze aufzuheben versuchten.“

Aber auch die Regierung scheint dem Bericht des WSJ nach nicht adäquat reagiert zu haben: Die Armee wurde erst zum Löschen abgestellt, als schon alle sechs Reaktoren bedroht waren. Die Hauptschuld scheint auch hier bei Tepco gelegen zu haben: Ein Armeesprecher sagte, seine Streitkräfte seien von Tepco schlicht nicht angefordert worden.

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