"Wir Türken greifen nicht einfach in den Kühlschrank!"

Für den Chef des deutsch-türkischen Mobilfunkanbieters AY YILDIZ steht fest: Die Türken in Deutschland sind keine Parallelgesellschaft. Man muss nur wissen, wie man sie behandelt.

Nejdet Tuhan Bas findet klare Worte, wenn es um die Integration geht: „Wir wollen uns in Deutschland integrieren. Schließlich sind wir hier zu Hause. In der Türkei sind wir Fremde!“ Der Chef des Mobilfunkanbieters AY YILDIZ wird selbst als Gastarbeiter-Kind in Mannheim geboren. Seine Jugend und einen Teil seiner Schul- und Studienzeit verbringt er in der Türkei. Dann kehrt er zurück nach Deutschland, um für Siemens zu arbeiten. Vor zehn Monaten wurde er nun Geschäftsführer von AY YILDIZ.

Mit dieser Marke zielt die Muttergesellschaft E-Plus auf die in Deutschland lebenden Türken. In Deutschland läuft es blendend. Bas im Gespräch mit den Deutsch Türkischen  Nachrichten: „Wir sind der Marktführer im türkischen Zielsegment. Wir haben keine ernste Konkurrenz.“ Das könnte sich schon bald ändern, denn der türkische Mobilfunkanbieter Turkcell ist eine Kooperation mit der Deutschen Telekom eingegangen und will nach Deutschland.

Bas nimmt den bevorstehenden Markteintritt sportlich: „Wir unterstützen die Ideen von Wettbewerb und Marktwirtschaft. Konkurrenz nützt jedem Unternehmen, weil man aus dieser Situation als Unternehmen viele Möglichkeiten hat sich zu verbessern. Aber wir fürchten uns nicht: Wir sind seit fünf Jahren im Markt und kennen unsere Community und deren Bedürfnisse wie kein anderer. Wir sind bestens im Markt etabliert, und die anderen müssen erst lernen, worauf es bei unseren Kunden ankommt. Wir sind gewappnet!“ Auf die Frage, ob sich dies auch auf den Preis beziehe, nickt Bas entschlossen – so wie man eben andeutet, dass man einen Zaubertrank oder eine Geheimwaffe aufbieten kann.

„Wir praktizieren die Integration, indem wir konsequent zweisprachig vorgehen“.

Der türkische Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die Zielgruppe gerade in interessanter Weise entwickelt. Bas beschreibt, wie unterschiedlich die Türken in Deutschland sind: „Da ist die erste Generation. Sie führen vor allem lange Telefonate in die Türkei. Bei der zweiten Generation ist das ganz anders: Sie telefonieren viel weniger in die Türkei, dafür mit ihren Freunden in Deutschland.“ Für die jungen Türken ist auch die Sprache kein Problem, worauf auch AY YILDIZ achtet: „Wir praktizieren die Integration, indem wir konsequent zweisprachig vorgehen“.

Auch in der Nutzung etwa von Smartphones könne man den Unterschied erkennen, sagt Bas: „Für die erste Generation reicht ein Telefon zum Telefonieren. Die jungen Türken dagegen sind statusbewusst: Sie wollen das beste Smartphone haben.“ Aber bei aller Integration geht es doch wohl auch darum, die Kultur der Türken in Deutschland zu verstehen: „Der Türke muss eingeladen werden. Sonst bleibt er zu Hause. Wir gehen nicht einfach zum Kühlschrank und greifen rein“, sagt Bas. Das müsse jeder verstehen, der mit den Türken ins Geschäft kommen will. Bestimmte Dinge versteht man nur aus dem kulturellen Kontext – und so wollen auch die Türken angesprochen werden. Bas: „Slogans wie ,saubillig‘ funktionieren bei uns eben nicht!“

„Wer in Deutschland sein Glück versuchen will, muss Deutsch sprechen.“

Um den kulturellen Hintergrund zu verstehen, brauche es Fingerspitzengefühl. Die Türken seien keine „direkte Gesellschaft“. Zwar falle den Türken ein harsches „Nein!“ nicht ganz so schwer wie den Japanern, aber höflich wollen sie sogar in der Ablehnung bleiben. Daher ist auch Bas‘ Kritik an der aktuellen politischen Debatte von ausgesuchter Höflichkeit: „Sollte sich die politische und gesellschaftliche Einstellung nicht ändern, wird es höchstwahrscheinlich zu einer Abwanderung von integrierten Fachkräften kommen, die ihr Potential in der Türkei entwickeln und entfalten können. “ Diese hätten längst die Spielregeln erkannt und auch befolgt: „Wer in Deutschland sein Glück versuchen will, muss Deutsch sprechen.“ Nicht zuletzt, damit man auch beim Telefonieren von allen verstanden wird.

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