Türkische Justiz untersucht Folterungen im Gefängnis von Diyarbakir

Mehr als 30 Jahre nach dem Militärputsch von 1980 hat die türkische Justiz nun angekündigt, die Folterungen im berüchtigten Gefängnis von Diyarbakir zu untersuchen. Die hiesige Staatsanwaltschaft geht damit hunderten Strafanzeigen nach, die von Misshandlungen berichten.

Zwischen 1980 und 1988 sind im Gefängnis von Diyarbakir tausende Menschen festgehalten und gefoltert worden. Bisher verhinderte eine so gennante Schutzklausel für Militärs eine Aufarbeitung der Greueltaten. Diese wurde 2010 abgeschafft. 700 Strafanzeigen haben sich seitdem bei den Behörden angehäuft. Nun kann ihnen nachgegangen werden.

„Es ist keine Haftanstalt, sondern eine Folteranstalt“

„Es ist keine Haftanstalt, sondern eine Folteranstalt“, beschreiben die türkische Medien die Vorgänge, die von Prügel bis zu schmerzhaftesten Elektroschocks gereicht hätten. Die jetzigen Ermittlungen sehen deshalb auch vor, ehemalige Insassen zu den Erlebnissen in Diyarbakir und den sich daraus ergebenden Folgen zu befragen. Insgesamt gilt das Untersuchungsvorhaben schon jetzt als eine der umfangreichsten Folter-Ermittlungen in der Türkei überhaupt.

Am 12. September 1980 kam es zum dritten Militärputsch in der Geschichte der Türkei. Unter der Führung des Generalstabschefs Kenan Evren wurde über das Land das Kriegsrecht verhängt und alle  politischen Parteien verboten. 30.000 Menschen sollen von den Entpolitisierungs-Aktionen der Militärs betroffen gewesen sein. Einige Quellen gehen von „650.000 politischen Festnahmen, 7.000 beantragten, 571 verhängten und 50 vollstreckten Todesstrafen und dem nachgewiesenen Tod durch Folter in 171 Fällen“ aus.

Foto via pixelio.de

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