Verbotenes Anti-Gülen Buch verbreitet sich rasend schnell über das Netz

Das Buchmanuskript des kürzlich verhafteten Journalisten Ahmet Sik, "Die Armee des Imams", hat sich trotz Verbots seinen Weg ins Internet gebahnt und ist dort mittlerweile tausendfach heruntergeladen worden. Noch ist unklar, wer für die Verbreitung verantwortlich ist.

Ahmet Sik, dem vorgeworfen wird, in das Ergenekon-Netzwerk involviert zu sein, hatte kurz vor seiner Verhaftung Anfang März das entsprechende Manuskript abgeschlossen. Darin behauptet er, die Gülen-Bewegung würde die türkische Polizei unterwandern. In seinen Augen ist daher auch das Buch „Die Armee des Imam” Grund für seine Verhaftung. Der türkische Gelehrte Fethullah Gülen bestritt einen solchen Zusammenhang. Auch Polizei und Justiz haben dies bisher bestätigt.

„Die Armee des Imam“-Manuskript im Internet aufgetaucht

Vielmehr hatte die Sonderstaatsanwaltschaft intensiv nach Kopien des bisher noch unveröffentlichten Buches gesucht. In der vergangenen Woche haben Polizisten auch den Sitz des Verlages der Radikal-Zeitung gestürmt. Offenbar jedoch ohne Erfolg. Nun ist das Manuskript “Imamin Ordusu” (oder auch “The Army of the Imam”) im Internet aufgetaucht (hier) und dort mittlerweile tausendfach heruntergeladen worden. Die bisher unbekannten Verbreiter sehen in diesem Akt einen “Beitrag zur Meinungsfreiheit”. So berichtet “Bianet”, dass das Manuskript bereits am vergangenen Donnerstag, den 31. März, am Donnerstagnachmittag auf  dem Microblogging-Dienst Twitter aufgetaucht sei. Unterdessen bestätigte der Journalist Aydin Engin gegenüber “Bianet”, dass der Download identisch mit dem Exemplar sei, das er von Siks Manuskript habe.

Präsident der Türkei besorgt über illegale Verbreitung

Engin hatte das Buch kurz vor der Verhaftung des Autors zur Durchsicht erhalten. Kurze Zeit später wurden die Entwürfe von den Computern in der Radikal Zeitung und im Ithaki Verlagshaus gelöscht. Danach verfügte das Gericht ein Veröffentlichungs- und Verkaufsverbot. Die entsprechende gerichtliche Entscheidung wurde an alle Buchhandlungen versandt.

Die türkische Justiz hat mittlerweile ein entsprechendes Ermittlungsverfahren eingeleitet. Und auch der türkische Präsident Abdullah Gül äußerte seine Besorgnis über die illegale Verbreitung: “Wäre das Buch nicht verboten, wären 10000 Exemplare verkauft worden. Jetzt, da es veröffentlicht wurde, könnte es einen Umsatz von 100000 erreichen.”

Sogar der Nachrichtensender Samanyoluhaber, welcher der Gülen-Bewegung nahe steht, hat den Link zum Dokument von Ahmet Sik auf seiner Homepage gepostet, um allen zu verdeutlichen, dass es ein Buch ist, wie die anderen Anti-Gülen Bücher auch. Gülen bestreitet hinter den Verhaftungen zu stehen und sagt, es gehe nur darum, mehr Aufmerksamkeit für das Buch zu wecken.

Mehr zum Thema:

Gülen: Ich habe nichts mit den Verhaftungen zu tun

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.