Vor den Wahlen: Zahl der Übergriffe auf Kirchen steigt

Unabhängige Beobachter können derzeit ein Ansteigen der Übergriffe auf Kirchen in der Türkei feststellen. Das sei ihrer Meinung nach typisch für die Zeit vor den Wahlen. Da für einige Parteien eine anti-christliche Rhetorik "nützlich" sein könnte.

Während der jüngsten Ausschreitungen vor der Dirilis-Kirche im westtürkischen Izmir fing der Angreifer, der nur mit den Initialen M.A.E. bezeichnet wird, an zu schreien: „Wir werden euch zur Rechenschaft ziehen, übt keine missionarischen Aktivitäten aus.“ Das berichtet „Todays Zaman“.

Am Abend des 1. April hatte die türkische Polizei im Stadtteil Alsancak einen Anschlag auf den protestantischen Pfarrer Andrew Crag Brunson vereitelt. Der Mann schoss zunächst mit Platzpatronen in die Luft. Anschließend wollte er nach einem Gewehr greifen, das er bei sich trug. Jedoch konnten ihn die Zivilpolizisten niederringen, die zum Schutz der Kirche abgestellt waren.

Missionare für den Wandel der Türkei angeprangert

Nach deren Angaben stammt der Attentäter M.A.E. aus Manisa. Dort gäbe es ebenfalls eine protestantische Kirche. Auf seiner Facebook-Seite soll er sich an die ansässigen Jugendlichen gewandt und darin Missionare für den Wechsel der religiösen Richtung im Land verantwortlich gemacht haben. Er selbst gab an, er habe den Amerikaner erschrecken wollen.

Soner Tufan, Sprecher der Europäischen Evangelischen Allianz, erklärte: “ Die Frage nach den missionarischen Aktivitäten wird während der Wahlperiode politisch verwendet. Dies ist typisch.“ Eine Kirche in Bursa sei ebenfalls mit einem Molotow-Cocktail attackiert worden. An zwei weiteren wurden die Kirchenfenster beschädigt. Er betonte, dass sich vermehrte Angriffe gegen Christen und ihre Kirchen vor den Wahlen, während des Fastenmonats Ramadan und während der Weihnachtszeit verzeichnen ließen und fügte hinzu, dass die evangelische Gemeinde – die in der Türkei geschätzte 3.000 Mitglieder bei einer Bevölkerung von 75 Millionen habe – mit Problemen konfrontiert würde, wenn sich ihre Mitglieder sichtbarer in der Gemeinschaft zeigen würden.

Geistliche erhalten Personenschutz

Nachdem es in den vergangenen Jahren zu mehreren Morden an Christen gekommen ist, haben die türkischen Behörden den Schutz für christliche Einrichtungen inzwischen verstärkt. Einige Geistliche erhielten sogar Personenschutz.

Bereits vor vier Jahren hatten Rechtsnationalisten in Malatya ebenfalls aus Hass auf Missionare einen deutschen und zwei türkische Christen getötet. Erst vor gut vier Wochen wurden in Istanbul zwei Verdächtige festgenommen, die einen Anschlag auf einen christlichen Geistlichen geplant haben sollen.

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.