Die gelebte Toleranz

Juden, Christen und Muslime tragen eine Weltverantwortung. Sie müssen sich aktiv um den Frieden bemühen.

„Können die Weltreligionen noch einen Beitrag zum Frieden leisten?“, fragt der Islamwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza. Er geht davon aus, dass mit der Rückbesinnung auf Religion in allen Teilen der Welt auch längst überwunden geglaubte Konflikte zurück kehren – von Religionschauvinismus bis hin zu religiösem Hass. Wenn Christentum, Judentum und Islam aber einen Beitrag zum Frieden leisten sollen, dann müssen alle an einem Strang ziehen und sich auf ihre grundlegenden Werte besinnen.

Obschon es zahlreiche Beispiele für religiöse Diskriminierung gibt, ist er überzeugt, dass es eine „verantwortliche Re-Besinnung auf Religion mitsamt ihrer kreativen Kraft“ gebe. Gemeint sind religiöse Werte und Normen, die Halt und Orientierung in einer sich rapid verändernden Welt geben könnten, und die natürlich auch ein religiöses Friedenspotential in sich bergen. Daraus folgert Murtaza: „Die Fraglichkeit der Welt, die Erkenntnisgrenzen des Menschen und das Plausibilitätsgebot zwingen alle religiösen, aber auch nichtreligiösen Menschen dazu, sich in Toleranz zu begegnen.“ Denn gerade wegen der Fraglichkeit der Welt müssten die Gottesgläubigen, die Juden, die Christen und die Muslime sich in die Arme schließen und auch den Atheisten die Hand reichen. Um aber Missbrauch, auch im extremistischen Sinne, zu vermeiden, gelte es fünf Prinzipien zu beachten: die menschliche Würde, Gerechtigkeit, die Gleichheit, Freiheit und schließlich soziale Verantwortung.

Doch wie sieht nun gelebte Toleranz aus?

Eine globale Welt benötige einen ethischen Grundkonsens, wenn Frieden herrschen solle: Ein Weltethos. Ein, in seinen Augen, aus allen drei Schriften ableitbares notwendiges Minimum für eine praktische Toleranz, das jeder Gewalt, jedem Extremismus eine klare Absage erteile und für ein friedliches Zusammenleben in einer globalisierten Welt plädieren würde. Bezeichnet wird das als die Goldene Regel: „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest. Was du nicht willst, dass man dir tut, das füge auch keinem anderen zu.“ Auf dieser Grundlage sei es Juden, Christen und Muslimen auch möglich, gemeinsam die Welt zu gestalten.

Das Fazit des Autors lautet entsprechend: „Die Existenzberechtigung aller Religionen wird künftig davon abhängen, ob ihre Anhänger fähig sind zu betonen, was sie eint und weniger, was sie trennt.“ In einer pluralistischen Welt und in einer Zeit, in der wieder von den Gefahren der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen gesprochen werde, müssten die Gelehrten und Denker der Weltreligionen sich wieder auf das Friedenspotential ihrer Religionen besinnen. Juden, Christen und Muslime würden eine Mitverantwortung für den Frieden und damit eine Weltverantwortung tragen.

Dem Dialog komme hier als erster Schritt eine wichtige Rolle zu. Der dürfe aber nicht mit christlicher Mission oder islamischer Dawa verwechselt werden. Es müsse die Bereitschaft bestehen zuzuhören, Empathie einzubringen und sich ehrlich, aufrichtig und vor allem vertrauensvoll zu begegnen. So, da ist sich der Autor sicher, können die Religionen einen entscheidenden Beitrag zum Weltfrieden leisten. Doch, um diesen Realität werden zu lassen, müssen sie aktiv werden – jeder einzelne von ihnen.

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