Lamya Kaddor: "Mit dem Burka-Verbot wird wieder Stimmung geschürt"

Die Islamwissenschaftlerin und muslimische Religionspädagogin Lamya Kaddor hält von dem am Montag in Frankreich in Kraft getretenen Burka-Verbot nichts. Sie warnt, das Gesetz könne dazu beitragen, dass sich die Stimmung zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen verschärft.

Das kommt auf die Stimmung an. Objektiv bewertet, dürfte so etwas eigentlich nicht passieren. Denn in Deutschland sind es noch weniger, die eine so genannte Ganzkörperverschleierung tragen. Man spricht hier von etwa 500 bis 800 Frauen. Solch ein Gesetz zu verabschieden, wäre absolut überzogen und ein völlig falsches, politisches Signal: Der aufgeklärte Westen erlässt Sondergesetze für die eingewanderten Muslime. Das hat einen Beigeschmack.

Könnte das Gesetz dazu beitragen, dass sich die Stimmung zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen jetzt noch verschärft?

Auf der einen Seite sind wenige Muslime davon betroffen. Deshalb hat es für viele keine persönliche Auswirkung auf das individuelle Leben. Auf der anderen Seite wird durch dieses Gesetz die in ganz Europa verbreitete mehr oder weniger feindlich gesinnte Stimmung gegen Muslime weiter geschürt. Das Gesetz ist ein weiterer Baustein in der antiislamischen Entwicklung. Und das bedeutet wiederum, dass auch ich und jeder Muslim indirekt davon betroffen sind.

Bilder vom frauenfeindlichen, rückschrittlichen Islam werden genährt, und es wird die Botschaft gesendet: „Die Muslime, die müssen sich anpassen, die müssen sich assimilieren“; eigentlich sollten sie am besten ganz aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden, denn sie sind das größte Problem, sie können sich nicht fügen oder mit der Demokratie anfreunden. Das geschieht natürlich nicht allein durch das Gesetz an sich, sondern auch weil der gesamte Gesetzgebungsprozess seit Monaten von öffentlichem Interesse begleitet ist. Ich kann nur hoffen, dass diese Aufmerksamkeit auch gleichzeitig die Kritik an der Vorgehensweise von Politikern wie Sarkozy steigert.

Felix Kubach

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