Deutsche zieht es zum Arbeiten in die Türkei

50 Jahre nach dem Anwerbeabkommen zwischen der Türkei und Deutschland, infolge dessen Tausende Türken hierzulande ihr Glück versuchten, haben sich die Verhältnisse angeglichen. Heute lockt die prosperierende Türkei immer mehr Deutsche zum Arbeiten ins Land.

Nicht nur die in Deutschland geborenen und ausgebildeten Enkel der ersten Gastarbeiter-Generation, sondern auch Deutsche selbst zeigen verstärkt Interesse an der Türkei. Die türkische Tageszeitung „Zaman“ zitiert Claudia Hahn-Raabe, Direktorin des Istanbuler Goethe-Instituts: „Sie würden nicht glauben, wie viele Anfragen ich von Deutschland bekomme. Alle Künstler in Deutschland scheinen in die Türkei kommen zu wollen, insbesondere nach Istanbul. Gewöhnlich beobachteten wir immer Einwanderungen aus der Türkei nach Deutschland. Aber in diesen Tagen beruht dies auf Gegenseitigkeit. Deutsche wollen jetzt hierher kommen.“

Als Beispiel wird die eigens gegründete Künstler-Akademie in Tarabaya angeführt. Hahn-Raabe sieht das Interesse an Istanbul darin begründet, dass die Metropole sich noch in der Entwicklungsphase befinde, wohingegen es an Orten wie Rom oder Paris schwierig sei, noch etwas Neues zu entdecken, da sich die dortige Kunstszene bereits über Jahre in Galerien und Museen etabliert habe.

Und Cem Şentürk, Pressesprecher beim Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung in Deutschland betont: „Für die deutsche Jugend ist Istanbul eine Alternative ähnlich wie New York, London oder Madrid, um dort zu leben und zu arbeiten.“ Während 34.000 Menschen pro Jahr aus Deutschland in die Türkei kämen, gingen laut Şentürk im selben Zeitraum 31.000 in die entgegengesetzte Richtung.

Der in Deutschland geborene und aufgewachsene Politologe und Professor Savaş Genç ist einer von denen, die für einen Job nach Istanbul kamen. Sein Ziel ist es, seine Karriere-Chancen in Istanbul auszubauen. Er sagt: „In Europa ist das Durchschnittsalter der Menschen sehr hoch. Ein Professor in Deutschland kann einen Kurs leiten, bis er oder sie 70 Jahre alt ist. Das Resultat davon ist, dass es für Akademiker, vor allem Sozialwissenschaftler, fast keine offenen Stellen gibt. […] Also ist die Türkei wirklich vorteilhaft für Sozialwissenschaftler. Jemand, der eine qualitativ hochwertige Bildung hat, kann davon hier sehr profitieren. In Deutschland erhielt ich die bestmöglichen Abschlüsse. Aber den besten Job, den ich angeboten bekam, war nur auf zwei Jahre begrenzt. Als ich mich entschied, in die Türkei zu gehen, musste ich mich zwischen Jobs an drei oder vier verschiedenen Universitäten entscheiden. […] In Deutschland gibt es keine Perspektive für die Zukunft, auch wenn Sie wirklich erfolgreich sind. Aus diesen Gründen kommen nicht nur türkische Akademiker in die Türkei, sondern auch deutsche Wissenschaftler.“

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