Messerattacke auf Bedri Baykam: Täter stellt sich der Polizei

Am Montag wurde der berühmte türkische Künstler Bedri Baykam in Istanbul auf der Straße mit dem Messer verletzt. Vier Stunden nach dem Attentat hatte sich der Täter Mehmet Celikel (36) der Polizei gestellt.

Nach seiner Rede auf einer Protestveranstaltung gegen die Zerstörung (Rückbau) des „Menschheitsdenkmals“ in Kars hatte Baykam gemeinsam mit seiner Assistentin Tugba Kurtulmus den Saal verlassen, um an einer Fernsehsendung teilzunehmen. Auf dem Weg zu seinem Auto wurde er von Mehmet Celikel zu einem Gespräch gebeten, lehnte jedoch aus zeitlichen Gründen ab. Daraufhin erstach Mehmet Celikel zunächst die Assistentin, dann Bedri Baykam, und floh in einem weißen Pkw. Vier Stunden später stellte er sich der Polizei.

Nachdem der verletzte Baykam in einer verzweifelten Aktion in der Nähe befindliche Passanten um Hilfe gebeten hatte (Video s.u.), wurden er und Kurtulmus in einem Taxi in das Istanbuler Maslak Acibadem Krankenhaus gefahren und dort operiert. Baykam’s Operation dauerte vier Stunden. Der behandelnde Arzt sagte den Medien: „Baykam wurde im Bauchbereich mit dem Messer verletzt. Es liegen Verletzungen im Dickdarm, Zwölffingerdarm und in der Leber vor. Nach der Operation wurde Baykam auf die Intensivstation gebracht. Die Operation von Kurtulmus dauerte zwei Stunden. Bei ihr liegen Verletzungen im Dickdarm und Zwölffingerdarm vor. Sie liegt ebenfalls auf der Intensivstation.“

Am Dienstag berichteten die Ärzte, der Zustand beider Patienten sei stabil, sie befänden sich nun auf einer normalen Station. Beide werden wahrscheinlich vier bis fünf Tage im Krankenhaus bleiben und können dann entlassen werden. Zurzeit können nur Familienmitglieder die Patienten besuchen.

„Ich wurde sauer und habe ihn erstochen“

Laut „Hürriyet“ sagte Baykam in seiner ersten Aussage: „Ich nehme manchmal an den Veranstaltungen im Akatlar Kulturzentrum teil. Letzte Woche habe ich Bedri Baykam vor dem Zentrum getroffen. Er stieg in sein Auto ein. Ich fragte ihn, ob er mich bis Taksim mitnehmen könne. Daraufhin hat er mich beschimpft und ist weggefahren. Diesmal wollte ich nur wissen, warum er sich so verhalten hat. Ich habe nach ihm gerufen, aber er hatte wieder keine Zeit für mich. Er hat mich einfach ignoriert. Ich wurde sauer und habe mein Messer rausgenommen und ihn erstochen. Ich mag Bedri Bayram nicht, ich mag seine Einstellungen, Meinungen, Äußerungen nicht. Darum habe ich die Tat begangen.“ Demnach steht seine Tat offensichtlich weder in einem direkten Zusammenhang mit dem Streit um das türkisch-armenische „Menschheitsdenkmal“ noch ist sie mit eventuellen „islamistischen“ Motiven zu begründen, sondern beruht ausschließlich auf seiner kranken psychischen Verfassung.

Nach ersten Untersuchungen stellte die Polizei fest, dass Celikel ein geschiedener Mann und Vater eines Kindes ist. Das Kind lebt bei der Mutter, er habe es seit sieben Jahren nicht gesehen, gab er an. Er ist seit langen arbeitslos. Ferner leidet er unter einer manisch-depressiven Erkrankung. Celikel habe zuvor über soziale Netzwerke im Internet Baykam per Mail kontaktiert und sich über seinen Tagesablauf informiert. Kurz vor dem Angriff auf Baykam lauschte er im Saal noch Baykams Rede, verfolgte ihn daraufhin bis zu seinem Auto.

Die Polizei fand ebenso heraus, dass er 1998 den ehemaligen Verlobten der damaligen Ehefrau und dessen Freund ebenfalls mit einem Messer verletzte und sechs Monate in Haft saß. Nach der Festnahme antwortete er den Fragen der Journalisten, warum er die Tat begangen habe, mit „Es gibt keinen Gott außer Allah“.

„Erdogan will nichts hören, nichts sehen und niemandem zuhören“

Bedri Baykam hatte am Montag neben anderen türkischen Persönlichkeiten wie Levent Kirca und Rutkay Aziz an der Protestveranstaltung gegen die Zerstörung (Rückbau) des „Menschheitsdenkmals““ in Istanbul teilgenommen. Die Veranstaltung fand im Besiktas Akatlar Kulturzentrum statt.

Bedri Baykam sagte in seiner Rede in Anspielung auf den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan: „Der geehrte Premier möchte allen Intellektuellen, Kunstliebhabern und der Demokratie in seinem Land fremd bleiben. Er will nichts hören, nichts sehen und auch niemandem zuhören. Wir befinden uns hier alle, um ein Verbrechen zu verhindern.“ Erdogan, der das Denkmal bei einer Besichtigung im Januar 2011 als „Monstrum“ bezeichnet hatte, gilt als Auslöser der Streitigkeiten um einen eventuellen Rückbau des Bauwerks.

Hier ein Teil der Rede Baykams in Istanbul:

http://www.youtube.com/watch?v=H9wMXMUt4SU

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