Ist der "Tag des Kindes" in der Türkei nur Show?

Seit 1920 wird in der Türkei der 23. April als "Tag des Kindes" gefeiert. Der Tag geht auf Mustafa Kemal, den späteren Staatsgründer der Türkei zurück. Für den kurdischen Gastautor Robin Fermann ist dieser Tag jedoch nur "Show und Täuschung der Kinder, die nicht einmal Kinderrechte haben". Er berichtet von seiner eigenen Kindheit, in der er zusehen musste, wie Frauen und Männer von türkischen Soldaten gefoltert wurden.

„Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ (Zitat des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan am 10. Februar 2008 in Köln)

Die Türken versuchen seit Jahrzehnten, ihre engstirnige, rückständige Politik sogar nach Europa bzw. nach Deutschland zu transportieren. Zum Beispiel wird jährlich am 23. April das so genannte Kinderfest als „Internationales Kinderfest“ in der europäischen Öffentlichkeit verkauft.

Der Gründer der Türkei, Mustafa Kemal, der sich seit 1934 per Dekret Vater der türkischen Nation „Atatürk“ genannt hat, hat diesen Tag als Geschenk für die Kinder ins Leben gerufen. Obwohl ich für Kinder und deren Rechte, gleichgültig welcher Nationalität, von Pontius bis Pilatus laufen würde, betrachte ich diesen Tag als Show und Täuschung der Kinder, die nicht einmal Kinderrechte haben, Kinder, die nach wie vor in der Türkei wegen Separatismus und Terrorismus in den Gefängnissen sitzen.

Der kemalistischen Elite in der Türkei geht es nicht darum, tatsächlich einen Tag für Kinder zu feiern. Wenn das so wäre, dann müssten die Türken zuerst die Kinder im Alltag gut behandeln. Das ist leider nicht der Fall. Der Tag für Kinder wird bewusst benutzt, um Atatürks Verbrechen gegen die Menschheit zu verharmlosen, um ihn als einen guten Menschen zu präsentieren und auf internationaler Ebene zu zeigen, was für ein wunderbarer Mensch er war, der die Kinder so lieb hatte, dass er sogar den 23. April den Kindern widmete. Das ist alles reine Täuschung. Leider wird sehr oft der gute Wille vieler deutscher und europäischer Politiker Kindern gegenüber missbraucht, und so werden sie von den türkischen Kemalisten in Deutschland und in Gesamteuropa für die kemalistische Ideologie in der Türkei instrumentalisiert.

Zum besseren Verständnis möchte ich über meine Kindheit berichten.

Ich bin in Kurdistan geboren und lebe seit 30 Jahren in Deutschland. Meine Muttersprache ist kurdisch. In den 60er und 70er Jahren gab es weder kurdische Parteien noch eine militärische Auseinandersetzung zwischen Kurden und Türken. Aber als kleines Kind musste ich im Jahr mindestens zwei- bis dreimal erleben, wie türkische Soldaten mit einem großen Konvoi aus Militärfahrzeugen in unser Dorf eindrangen, Frauen und Männer auf dem Dorfplatz zusammentrieben und folterten, grundlos, nur zur Einschüchterung. Wir Kinder mussten dieses Geschehnissen mit großen Ängsten zusehen.

Ab dem 7. Lebensjahr musste ich zur türkischen Schule gehen, konnte aber kein einziges Wort türkisch. Der einzige, der mit uns Kindern in unserem Dorf türkisch sprach, war der Lehrer, der aus dem Westen der Türkei kam. Er war geprägt von der kemalistischen chauvinistischen Ideologie und hat versucht, uns kurdische Kinder mit drakonischen Zwangsmaßnahmen zu assimilieren bzw. zu türkisieren. Wir Kinder mussten jeden Tag vor dem Unterricht die türkische Nationalhymne singen. Außerdem mussten wir jeden Tag sagen, wie stolz wir seien, ein Türke zu sein, zum Beispiel „Ich bin ein Türke, bin aufrichtig und fleißig“ oder „Mein Dasein soll dem türkischen Dasein gewidmet sein“).

Wir wurden ständig von Lehrern geschlagen und geprügelt, hatten aber Angst, zu Hause immer alles unseren Eltern zu erzählen, denn anschließend hatten wir mit noch mehr Repressalien der Lehrer zu rechnen.

Das Schlimme an der Sache ist, die Lage und die Praxis haben sich im besetzten Teil Kurdistans bis heute nicht geändert. Das, was ich über meine Kindheit geschrieben habe, gilt auch heute noch, denn die kurdischen Kinder werden nach wie vor so behandelt, wie ich es in meiner Kindheit erlebt habe (s. Doku arte vom 2008).

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