Sarrazin bleibt – die SPD blamiert sich und ich blamiere mich auch!

Die SPD blamiert sich - schreibt die Presse. Ja, und ich blamiere mich als SPD-Mitglied auch. Was soll ich jetzt eigentlich den Menschen antworten, die sich lachend an mich wenden und fragen, ob es nicht paradox ist als einer mit Migrationshintergrund in der Partei zu sein?

Eine Partei, in dessen Reihen auch Menschen sitzen, die Theorien vertreten und verbreiten, die eben auch mich aus genetischen Gründen für dümmer erklären und beschuldigen, mit an der Abschaffung Deutschlands beteiligt zu sein. Wie soll ich jetzt beim nächsten Wahlkampf bei Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund um Stimmen für die SPD werben? Ist sich die Parteispitze eigentlich bewusst, was für einen Schaden sie angerichtet hat? Oder ist sie tatsächlich bereit für Wahlerfolge all ihre Werte zu verwerfen?

Die SPD hat ihre Grundwerte verkauft, um einen Rechtsstreit aus dem Wege zu gehen und vor den anstehenden Wahlen in Berlin nicht ein negatives Wahlergebnis zu ernten. In der Tat wollen sie damit die Stimmen der rechten Mitte einholen und auch den eigenen rechten Flügel innerhalb der Partei befriedigen. Denn die Partei scheint mit dem Strom der Mitte gehen zu wollen. Aber eben diese Mitte rückt immer weiter nach rechts. Anstatt Aufklärungsarbeit zu leisten, ergibt sie sich dem Strom und macht sich nicht mal ansatzweise die Mühe für die eigenen Werte zu kämpfen. Plötzlich sind selbst Grundwerte sekundär, wenn es um Stimmen geht!

Verlogene Integrationspolitik der SPD

Schade um die Partei, in die ich viel Vertrauen gesetzt hatte. Doch von der Integrationspolitik der SPD bin ich leider nicht zum ersten Mal enttäuscht. Viele ihrer Integrationsthemen verwarf die SPD. Auch in der Großen Koalition mit der CDU/CSU stimmte sie gegen ihre eigenen Forderungen. Forderungen, die sie im letzten Wahlkampf noch vertrat aber die Ablehnung im Parlament mit trug, um paar Jahre später im nächsten Wahlkampf plötzlich wieder einzufordern. Natürlich wieder um die Stimme des Wählers mit Migrationshintergrund.

Ganz groß trat die SPD Spitze in den Medien und vor der Presse auf. Versicherte, diesen Rassisten so schnell wie möglich loswerden zu wollen. Ganz vorn der Vorsitzende Gabriel, der sich als Sarrazins größter Gegner profilierte. Aber nun, nach dem die Aufmerksamkeit um Sarrazin herum kaum noch Thema war, stiegen sie alle durch die Hintertür aus, allen voran Frau Nahles. Klar, damals ging es darum, im Rampenlicht zu stehen und zu zeigen, dass die SPD so was nicht toleriere. Aber als es dann darum ging, Taten folgen zu lassen, gaben sie sich alle mit einer billigen Erklärung zufrieden. Sie SPD blinkte sehr lange links, bog dann aber plötzlich rechts ab. Eine verlogene Integrationspolitik, die ihre Unglaubwürdigkeit in der Gesellschaft, vor allem bei ihren Wählern mit Migrationshintergrund noch weiter festigen wird. Schade.

Taner Beklen (zum Blog)

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