Muslime in die SPD: Trotz Sarrazin und jetzt erst recht!

Sarrazin bleibt in der SPD. Nicht weil es um Wahlkämpfe und Stimmen geht. Er bleibt, weil er einem Großteil der Sozialdemokraten aus der Seele spricht. Sarrazin steht für die Islam-Haltung der SPD! Er ist keineswegs ein Einzelkämpfer.

Der Polit-Provokateur Sarrazin ist nicht nur der Spalter der Nation, sondern auch Spalter der SPD. Ein Teil der Sozialdemokraten ist schockiert, während der andere, vielleicht größere Teil jubelt. Sarrazins Thesen rühren an einem hochsensiblen Thema: Der Islam ist für viele Sozialdemokraten nämlich nicht Religion, sondern vor allem ein Reizwort, das mit Ängsten und Vorurteilen besetzt ist. Sarrazin schürt sie nur. Dabei ist es sinnlos, den Muslimen pauschal vorzuwerfen, dass sie sich nicht in die deutsche Gesellschaft integrieren wollen. Tatsache ist, dass es Muslimen mitunter schwer gemacht wird, in ihrer neuen Heimat feste Wurzeln zu schlagen. Das hat in erster Linie mit fehlenden Bildungs- und Teilhabechancen und fehlender Akzeptanz zu tun.

Eigentlich zeigt der Fall Sarrazin, dass sich die SPD in Bezug auf den Islam neu positionieren muss. Sie war lange die Partei der Migranten. Sie war aber niemals Partei der Muslime. Vielfalt der Kulturen wurde schon immer gross geschrieben. Das gilt allerdings nicht in Bezug auf den Islam. Vor allem der traditionelle Islam wird in SPD Reihen eher als Problem, denn als Chance wahrgenommen. Auch die türkischstämmigen Mandatsträger sind da ähnlicher Gesinnung. Vor Wahlen sieht man sie zwar in den Moscheen, danach allerdings sieht man, wie sie in Medien gegen das Kopftuch ihrer eigenen Wählerinnen arbeiten. Ähnlich sieht es übrigens in der sozialdemokratischen Friedrich-Ebert-Stiftung aus. Je feindlicher die Einstellung zum Islam, umso wahrscheinlicher ist, dass man in einem Integrations-Gremium seinen Platz findet. Gläubige Muslime haben da nichts verloren.

Wir brauchen keine Wilders-Partei – Dafür haben wir die SPD

Sarrazin ist aber keineswegs der einzige in der SPD, der auf einer islamfeindlichen Linie ist. Die Liste der islamfeindlichen Mandatsträger ist sehr lang. Natürlich hat eine derartige SPD gewisse Vorteile. Eine Wilders-Partei wie in den Niederlanden brauchen wir hier nicht. Die Sozialdemokraten leisten diesbezüglich beste Arbeit. Es gibt nur einen kleinen Unterschied: Bei Wilders steht die Islamfeindlichkeit im Parteibuch, bei der SPD muss man – abgesehen von Sarrazin – in die Partei rein, um die Diskurse mitzubekommen. Es ist zwar die Rede von Religionsfreiheit, doch leider bleibt das Theorie. In der Realität sollten Kopftuchträgerinnen mal ihr Köpfchen lüften, damit sie denken können und Moscheen sind im Alltag eher Gebetsschuppen als Haus Gottes. Muslime, die Mitglied sind, werden kritisch beäugt und abgestempelt. Wenn Muslime gemeinsam eine Sitzung besuchen und sich engagieren, ist manchmal oft gleich von Unterwanderung die Rede.

Doch woher kommt diese islamfeindliche Attitude? Es gibt im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen liegt sie an der generellen sozialdemokratischen Religionsfeindlichkeit, die sich oft als Islamfeindlichkeit verkleidet. Zum Anderen an den bisherigen muslimischen SPD-Mitgliedern. Sie haben derzeit das Monopol, über den Islam zu entscheiden und zu urteilen. Sie sind die Gelehrten, die darüber entscheiden, was der Islam ist und was nicht. Sie sind die Mullahs, die die Fatwas erteilen. Diese Rolle übernehmen sie mit größtem Selbstbewusstsein. Leider aber mit wenig Kompetenz und Fachwissen.

Ich sehe vor allem eins: Die Muslime müssen lernen, Krisen in Chancen umzuwandeln. Daher sollten gläubige Muslime gerade jetzt in die SPD eintreten und sich aktiv in die Diskussionen einmischen. Das ist ihr demokratisches Recht. Nur so wird aus der SPD eine offenere Partei. Wir haben es in unseren eigenen Händen.

Ercan Karakoyun

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