Jugendliche mit Migrationshintergrund würden sich gern mehr engagieren

In einer Sonderauswertung "Wie steht es um das Engagement von Jugendlichen in Deutschland?" kommt die Bertelsmann Stiftung zu dem Ergebnis, dass sich insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund mit nur 22 Prozent vergleichsweise selten engagieren. Dabei würden sich 54 Prozent sehr gerne mehr einbringen.

Im Rahmen der aktuellen Sonderauswertung des Dritten Freiwilligensurveys des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die von der Jugendforscherin Sibylle Picot in Kooperation mit TNS Infratest im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt wurde, stellten die Experten eine tiefe Kluft zwischen tatsächlichem Engagement und der Bereitschaft, sich zu engagieren fest.

Während das freiwillige gesellschaftliche Engagement älterer Menschen zwischen den Jahren 1999 und 2009 erheblich zugenommen hätte, sank das von Jugendlichen im gleichen Zeitraum, entgegen dem Trend, von 37 auf 35 Prozent ab.

Jugendliche mit Migrationshintergrund finden weniger Möglichkeiten

Vor allem Schüler fänden aktuell immer weniger Zeit sich einzubringen. Dabei, so wird deutlich, sei die Bereitschaft, sich stärker freiwillig zu engagieren im Laufe von zehn Jahren durchaus, nämlich um ganze zehn Prozent, angestiegen und liege bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund mit 54 Prozent insgesamt sogar deutlich über der Gesamtquote von 49 Prozent. Aber: „Sie finden (…) offensichtlich weniger Möglichkeiten, aktiv zu werden. Während 31 Prozent der ‚einheimischen‘ Jugendlichen beispielsweise Mitglied in einem Verein sind, liegt die Zahl der Jugendlichen mit Migrationshintergrund nur bei 16 Prozent.“

Wie es hierzu kommt, versucht die Jugendforscherin Sibylle Picot zu ergründen, wenn sie schreibt: „Bei der Erklärung des geringeren Anteils an öffentlich Aktiven und freiwillige Engagierten von Jugendlichen mit Migrationshintergrund hat neben dem schichtspezifischen Aspekt der Zugang zu zivilgesellschaftlichen Strukturen eine wichtige Bedeutung.“ In den letzten Jahren habe sich hier wenig verbessert, trotz primär großer und gewachsener Bereitschaft von Jugendlichen, mitzumachen und sich zu engagieren.

Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, betrachtet diesen Umstand ebenfalls mit Sorge. Ihr Appell lautet daher: „Wir müssen gerade Jugendlichen aus Migrantenfamilien, die mitmachen wollen, den Zugang zu unseren zivilgesellschaftlichen Strukturen erleichtern. Vereine und Organisationen tun gut daran, ihnen die Türen zu öffnen und dieses Potenzial zu nutzen.“ Ein Schritt in diese Richtung sei das Projekt „jungbewegt“. Mit diesem wolle sie dazu beitragen, dass junge Menschen früh erfahren, wie bereichernd es sei, Verantwortung zu übernehmen und das Gemeinwesen aktiv mit zu gestalten.

Den gesamten Bericht gibt es hier.

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