Gewaltsame Zusammenstöße in Belgrad bei Protesten gegen Mladic-Inhaftierung

Demonstranten und Polizisten haben sich in der serbischen Hauptstadt Belgrad Gefechte mit der Polizei geliefert. Sie warfen Steine ​​und Flaschen, nachdem sich mehrere Tausend serbische nationalistische Anhänger des inhaftierten Kriegsverbrechers Ratko Mladic vor dem Parlamentsgebäude versammelt hatten, um dessen Freilassung zu fordern.

Rund 100 Personen wurden verhaftet, 16 wurden als verletzt gemeldet. Der 69-jährige Ex-General Mladic war am vergangenen Donnerstag bei einem Verwandten zu Hause in einem nördlichen serbischen Dorf festgenommen worden, nachdem die Geheimdienste aller Welt 16 Jahre nach ihm gefahndet hatten.

Die Auseinandersetzungen begannen nach einer Kundgebung, an der mindestens 7.000 Demonstranten teilnahmen. Viele von ihnen sangen nationalistische Lieder  und trugen Banner zur Ehrung des früheren bosnisch-serbischen Heerführers Mladic.  Einige skandierten rechte Parolen und hoben die Hand zum Nazigruß.

Mladics Sohn: Mein Vater ist unschuldig

Die Demonstranten fordern von der serbischen Regierung, Mladic nicht an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag in den Niederlanden auszuliefern. Des Weiteren verlangen sie die Absetzung des serbischen Präsidenten Boris Tadic, der Mladics Festnahme angeordnet hatte.

Mehr als 3.000 Polizisten sicherten das Regierungsgebäude und die Botschaften der westeuropäischen Länder, aus Angst, die Gewalt könne eskalieren und auf die Gebäude übergreifen.

Das UN-Tribunal hat Mladic wegen des Völkermordes im Jahr 1995 vorgeladen. Er wird beschuldigt, Drahtzieher der Massaker an 8.000 muslimischen Männern und Jungen in Srebrenica sowie anderer Kriegsverbrechen im Bosnien-Krieg von 1992-95 zu sein. Mladics Festnahme gilt als entscheidend für die Bemühungen Serbiens zur Europäischen Union beizutreten, sowie zur Versöhnung in der Region nach einer Reihe von ethnischen Kriegen der 1990er Jahre beizutragen.

Mladic macht Milosevic und serbisches Volk verantwortlich

Mladics Sohn Darko Mladic hatte am Sonntag geäußert, dass sein Vater trotz der Anklage darauf bestehe, nicht für die Massenhinrichtungen von 1995, die durch seine Truppen begangen wurden, verantwortlich zu sein. „Was auch immer hinter seinem Rücken geschehen ist, er hat nichts damit zu tun“, so Darko Mladic.

Ratko Mladic selbst macht laut Angaben von Staatsanwalt Bruno Vekari den früheren Präsidenten Slobodan Milosevic und die serbische Bevölkerung für die ihm vorgeworfenen Gräueltaten verantwortlich: „Ich habe Slobodan Milosevic nicht gewählt, ihr schon […]“. Milosevic verstarb vier Jahre nach dem Den Haager Prozessbeginn gegen ihn im Jahr 2006, ein Urteil blieb somit aus.

Unter vielen Serben gilt der Kriegsverbrecher noch als Held

Die Staatsanwälte teilten jedoch bereits mit, sie hätten überzeugende Beweise, dass Mladic persönlich die Massenhinrichtungen in und um Srebrenica angeordnet und geleitet habe. Das Massaker von Srebrenica gilt als die schlimmste Gräueltat in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Aber unter serbischen Nationalisten in Serbien und in Teilen von Bosnien wird Mladic noch immer als Held verehrt – als der General, der gegen alle Widrigkeiten versuchte, Serben im Bosnien-Konflikt zu verteidigen.

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