Türkische Familienberaterin fordert die Vielehe

Mit ihrem Vorstoß zur Legalisierung der Vielehe in der Türkei sorgt die Familienberaterin Sibel Üresin derzeit für viel Wirbel. Premier Erdogan erteilte ihr nun eine klare Absage. Einige Frauen sehen darin einen Angriff auf ihre Rechte.

Üresin, die in zwei Istanbuler Stadtteilen tätig ist, argumentiert, dass die Vielweiberei bei den meisten türkischen Männern sowieso nicht zu verhindern sei. Denn ihrer Erfahrung nach würden satte 85 Prozent der Männer ihre Frauen ohnehin betrügen.

Üresins Vorschlag ein Schlag gegen die Frauenrechte?

Premierminister Recep Tayyip Erdogan lehnte das nun kategorisch ab: „Für mich persönlich ist es unmöglich einem solchen Gesetz zuzustimmen, das letztlich Polygamie legalisieren würde.“ Schließlich würde er auf der anderen Seite auch ein solches illegales Vorgehen strikt ablehnen.

Darüber hinaus sorgte die 35-Jährige fromme Muslimin und Verhaltenswissenschaftlerin mit ihrer Idee vor allem bei türkischen Frauenverbänden für Aufschreie der Entrüstung. Am Montag hat eine Gruppe von Frauen, darunter auch die Ehefrau des im Fall „Balyoz“ inhaftierten türkischen Politikers Celal Dogan, Nilgün Dogan, eine Anklage gegen Sibel Üresin im Instanbuler Gericht eingereicht. Sie vertreten die Ansicht, dass die Türkei mittlerweile ein sehr fortgeschrittenes Land geworden und ein solcher Vorschlag rückständig und nicht akzeptabel sei. Die Sprecherin der Gruppe, Zerrin Öztürk, teilte mit, dass Üresin mit ihrer Idee gegen die republikanischen Gesetze verstoße. Nilgün Dogan erklärte hierzu: „Die Frauenrechte gehören zu den sehr schwer eworbenen Werten der türkischen Republik. Wir, die Frauen der Republik, können nicht mit ansehen, dass im Jahr 2011 die Frauenrechte in dieser Art angegriffen werden. Dies werden wir nicht erlauben.“

Legalisierung der Vielehe soll rechtlich absichern

Der Familieneraterin ging es jedoch nicht darum, das Verhalten der Ehemänner gut zu heißen. Vielmehr steht bei ihren Bestrebungen die rechtliche Absicherung der gehörnten Ehefrauen im Vordergrund, die so vor einer Scheidung bewahrt werden sollen. Ihre Legalisierung bringe zudem den Zweitfrauen und ihren unehelichen Kindern rechtlichen Schutz. Und der Koran, so argumentiert sie weiter, heiße die Vielehe auch gut.

Obschon seit 1926 per Gesetz verboten, damals führte Atatürk die standesamtliche Zivilehe ein, sind vor allem im Osten des Landes Vielehen immer noch stark verbreitet. Die Imam-Ehe, eine von einem muslimischen Würdenträger abgesegnete Trauung, wird dort weiterhin dazu eingesetzt, um minderjährige Mädchen zu verheiraten oder sich eine Zweitfrau zuzulegen.

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