Türkei: Zehntausende demonstrieren auf dem Istanbuler Taksim Platz für bessere Arbeitsbedingungen

Über 30 Jahre waren Demonstrationen auf dem Taksim Platz in Istanbul verboten. Nun marschieren die Gewerkschaften wieder.

Am vergangenen Sonntag, dem Internationalen Tag der Arbeit, haben 200.000 Menschen auf dem Istanbuler Taksim Platz versammelt, um für mehr freie Arbeitsstellen, bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne zu demonstrieren. Gemeinsam erinnerten sie der Toten von 1977.

Der Taksim Platz gilt im Rahmen der Mai-Feierlichkeiten als symbolträchtiger Ort. Am 1. Mai 1977 wurden hier während einer Versammlung 34 Menschen getötet, als von einem nahe gelegenen Gebäude aus Schüsse in Richtung intervenierender Sicherheitskräfte und gepanzerter Fahrzeuge abgefeuert wurden.

Am vergangenen Sonntag haben die Menschen derjenigen gedacht, die dort vor 34 Jahren ihr Leben verloren hatten. An der Unglücksstelle wurden zahlreiche Nelken niedergelegt. In Erinnerung an die tragischen Ereignisse wurde an den Außenwänden des Atatürk-Kulturzentrum (AKM) das gleiche gigantische „Tag der Arbeit“-Plakat angebracht, das auch 1977 dort hing.

“Diejenigen, die für den Vorfall im Jahr 1977 verantwortlich sind, sollten identifiziert und vor Gericht gestellt werden. Das schulden wir den Menschen, die gestorben sind”, forderte Mustafa Sandy, Leiter des Verbandes der türkischen Gewerkschaften (Türk-Is). “Das ist seit 34 Jahren ein dunkler Fleck auf der türkischen Demokratie.”

Nach 1977 wurde der Taksim Platz für die Maifeier geschlossen. Erst im vergangenen Jahr wurden den Gewerkschaften solche Zusammenkünfte wieder erlaubt. Zu den Teilnehmern an der diesjährigen Versammlung gehörten auch Mitglieder der Oppositionsparteien sowie der Gewerkschaften. Vertreter der pro-kurdischen BDP nahmen ebenfalls an der Feier teil. Kurdische Lieder wurden gespielt und auch die Ankündigungen auf dem Platz wurden in türkischer sowie kurdischer Sprache gemacht.

Als Zeichen der Einheit marschierten die Fan-Gruppen der drei großen Istanbuler Fußball-Teams aus der türkischen Süper Lig, Fenerbahce, Galatasaray und Besiktas, gemeinsam zum Taksim-Platz.

Auch in anderen Städten der Türkei versammelten sich die Menschen, um den Tag der Arbeit zu begehen. In Ankara setzten linke türkische Gymnasiasten eine US-Flagge während der Feierlichkeiten in Brand.

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